Falsche Propheten?

Ein Hauptargument wieso Kritiker davon überzeugt sind dass Zeugen Jehovas Gottes Anerkennung sicherlich nicht hätten, besteht darin dass man gerne die FP-Keule rausholt (für die welche es nicht bemerkt haben – „FP“ steht für Falsche Propheten).

Begründet wird diese Beschuldigung damit, daß Zeugen Jehovas scheinbar mehrmals in der Vergangenheit das Ende der Welt „prophezeit“ hätten, und sich jedes Mal diese „Prophezeiungen“ als falsch herausgestellt haben.

Da liegt es nahe Zeugen Jehovas den unbeliebten Stempel „Falsche Propheten“ aufzudrücken.

Ein Bibeltext der in diesem Zusammenhang gerne gegen Zeugen Jehovas angewandt wird ist 5. Mose 18:20-22:

Doch der Prophet, der sich vermessen sollte, in meinem Namen ein Wort zu reden, das ich ihm nicht befohlen habe zu reden, oder der im Namen anderer Götter reden wird: dieser Prophet muss sterben. Und wenn du in deinem Herzen sagst: „Wie sollen wir das Wort erkennen, das nicht der HERR geredet hat?“, wenn der Prophet im Namen des HERRN redet, und das Wort geschieht nicht und trifft nicht ein, so ist das das Wort, das nicht der HERR geredet hat. In Vermessenheit hat der Prophet es geredet; du brauchst dich nicht vor ihm zu fürchten.

Auf den ersten Blick, scheint diese Beschuldigung auch plausibel zu erscheinen. Und auch die Feststellung dass falsche Propheten Gottes Anerkennung nicht hätten ist sogar biblisch begründet, und ist somit nicht verkehrt.

Wenn Jesus sagte dass man sich „vor falschen Propheten in acht“ nehmen sollte, darf man das dann auf Zeugen Jehovas beziehen?

Natürlich dürfen Sie das, Sie sind ein freier Mensch! Aber vielleicht liegen Sie bei Ihrer Einschätzung falsch.

Und falls dies Ihre Einschätzung ist, dann bitte ich Sie anhand folgender Argumente ihre Einschätzung nochmal zu überprüfen (sofern Sie das zulassen).

Definition des Wortes „Prophet“:

Das Wort „Prophet“ (altgriechisch transliteriert: prophétés) setzt sich aus 2 Wörtern zusammen.

1)      pro: was soviel wie „Vorher“ bedeutet und…

2)      phemi: was soviel wie „Sprechender“ oder „Sager“ bedeutet.

Wörtlich also ein „Vorhersager“ von Ereignissen. (Zum Nachlesen: Strong’s Concordance Nr. 4396)

Bleibt man  beim neuen Testament, so finden wir dieses Wort ganze 146 mal, und soweit ich sehen kann, jedes mal in einem positiven Kontext. (Der Begriff „falscher Prophet“ ist im altgriechischen ein eigenständiges Wort: „pseudoprophétés“, und gibt es ganze 11 mal im Neuen Testament).

Was das hebräische „nabi“ (oder „navi“)  betrifft, so findet sich dieser Begriff erneut in hoher Ausführung im Alten Testament wieder.(Siehe: hier)

Betrachtet man allerdings den Begriff „Prophet“ im Licht des biblischen Kontextes, stellt man fest, dass das Voraussagen von Ereignissen nach göttlicher Eingebung bei weitem nicht das einzige ist/war was einen Propheten ausmacht. Ein „Prophet“ muss nicht einmal etwas direkt mit Gott zu tun haben. So wurde Aaron beispielsweise als „Prophet von Moses“ bezeichnet (2. Mose 7:1).

Das erste Mal wo der hebräische Begriff  „nabi“ benutzt wurde, ist in Zusammenhang mit Abraham (1. Mose 20:7). Abraham wurde auch als „Freund Gottes“ bezeichnet, und ist bekannt für seinen Glauben.

Das Abraham aber selbst Ereignisse öffentlich voraussagte, ist nicht bekannt.

Wie kam ein Prophet an seine göttliche Botschaft?

Durch Inspiration! Es gab mündliche Mitteilungen durch Engel (2Mo 3:2-4; vgl. Luk 1:11-17; Heb 1:1, 2; 2:1, 2), Visionen, die dem wachen Sinn Gottes Botschaft einprägten (Jes 1:1; Hab 1:1), Träume oder nächtliche Visionen, während der Prophet schlief (Da 7:1), und Botschaften, die übermittelt wurden, während sich der Betreffende in Trance befand (Apg 10:10, 11; 22:17-21). Gelegentlich stand ein Prophet unter dem Einfluß von Musik, wenn er eine göttliche Mitteilung erhielt (1Sa 10:5; 2Kö 3:15).

Moses nannte drei wesentliche Merkmale, die einen wahren Propheten ausweisen würden: Der wahre Prophet würde im Namen Gottes reden; die Voraussage würde sich erfüllen (5Mo 18:20-22); seine Prophezeiung müßte die wahre Anbetung fördern und im Einklang mit Gottes geoffenbartem Wort und Gottes Geboten sein (5Mo 13:1-4). Das letzte Erfordernis war wahrscheinlich das wichtigste und entscheidendste, denn es hätte sein können, daß jemand Gottes Namen heuchlerisch gebrauchte und seine Voraussagen zufällig in Erfüllung gingen. Aber wie bereits erwähnt, machte der wahre Prophet nicht nur oder in erster Linie Voraussagen. Statt dessen trat er für Gerechtigkeit ein, und seine Botschaft handelte hauptsächlich von Sittenmaßstäben und deren Anwendung. Er zeigte, wie Gott über bestimmte Dinge dachte (Jes 1:10-20; Mi 6:1-12).

Jesu spätere Warnung vor falschen Propheten entsprach der Warnung, die Moses äußerte. Obgleich sie Jesu Namen gebrauchen und „Zeichen und Wunder tun, um . . . irrezuführen“, würde man sie an ihren Früchten als „Täter der Gesetzlosigkeit“ erkennen (Mat 7:15-23; Mar 13:21-23; vgl. 2Pe 2:1-3; 1Jo 4:1-3).

Die falschen Propheten beruhigten das Volk und dessen Führer mit der beschwichtigenden Zusicherung, daß Gott trotz ihres ungerechten Wandels immer noch mit ihnen sei, um sie zu beschützen und zu segnen (Jer 23:16-20; 28:1-14; Hes 13:1-16; vgl. Luk 6:26).

Letztere Erklärung zu „falschen Propheten“ wird von Kritikern gerne auf Zeugen Jehovas angewandt.

Das Argument ist folgendes: Zeugen Jehovas haben scheinbar nachweislich mehrmals behauptet dass das „Ende dieses Systems der Dinge“ zu einer bestimmten Zeit käme und bisher hat sich keine dieser Vorraussagen erfüllt.

Selbsternannter Prophet?

Hielt die Leitung der Zeugen Jehovas jedoch diese Daten für unwiderlegbar, und von Gott geoffenbart? Bedeutet der Glaube von Gottes Geist gesalbt zu sein, dass man von Gott inspiriert ist?

Die Wachtturm-Gesellschaft brachte 1929 ein Buch names „Prophecy“ heraus, welches sich dieser Frage annahm:

Many students have made the grievous mistake of thinking that God has inspired men to interpret prophecy. The holy prophets of the Old Testament were inspired by Jehovah to write as his power moved upon them. The writers of the New Testament were clothed with certain power and authority to write as the Lord directed them. However, SINCE THE DAYS OF THE APOSTLES NO MAN ON EARTH HAS BEEN INSPIRED TO WRITE PROPHECY, NOR HAS ANY MAN BEEN INSPIRED TO INTERPRET PROPHECY. – Prophecy (Brooklyn: Watchtower Bible and Tract Society, 1929), S.61-62

Offensichtlich glauben Zeugen Jehovas weder daran dass es seit dem Tod der ersten Apostel weitere von Gott inspirierte Propheten gab, noch daran dass sie imstande seien biblische Prophezeiungen durch Inspiration zu verstehen.

Sie hielten sich (und halten sich immer noch ) nicht für Gottes inspirierten Propheten. Genausowenig halten Sie Ihre Interpretation biblischer Prophetie für inspiriert. Das einzige was Sie für heute inspiriert halten ist die Bibel selbst. Diese Inspirierten Worte gilt es gründlich zu studieren und auch (wo nötig) zu interpretieren. Zeugen Jehovas sind keine christlichen Fundamentalisten. Viele Teile der Bibel enthalten Symbolik, Parabeln und Metaphern. Einige Aussagen der Bibel kann man einfach nicht einzeln hinnehmen, sondern muss Sie im Kontext und mit Hilfe anderer biblischer Aussagen verbinden und interpretieren , damit einem sich der volle Sinn erschliessen kann.

Jesus ist bekannt für seine Gleichnisse und Veranschaulichungen – Dinge die nicht wörtlich gemeint waren, sondern welche man interpretieren sollte!

Selbst Gottes wahre Propheten, und auch die welche im ersten Jahrhundert mit heiligem Geist gesalbt waren irrten sich manchmal wenn sie (in einigen Fällen sogar Ihre eigenen geäusserten)  Prophezeiungen interpretieren wollten.

Lukas 19:10, 11: denn der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist.  Während sie aber dies hörten, fügte er noch ein Gleichnis hinzu, weil er nahe bei Jerusalem war, und sie [die Apostel] meinten, dass das Reich Gottes sogleich erscheinen sollte.

Johannes 21:20-23: Petrus wandte sich um und sieht den Jünger nachfolgen, den Jesus liebte, der sich auch bei dem Abendessen an seine Brust gelehnt und gesagt hatte: Herr, wer ist es, der dich überliefert?  Als nun Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was soll aber dieser?  Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach!  Es ging nun dieses Wort hinaus unter die Brüder: Jener Jünger stirbt nicht. Aber Jesus sprach nicht zu ihm, dass er nicht sterbe, sondern: Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an?

Nur weil jemand von heiligem Geist gesalbt ist, heißt das noch lange nicht dass er sich nicht irren darf! Der Prophet Samuel, glaubte beispielsweise dass Davids älterer Bruder (welcher wohl eine imposante Erscheinung war) zum König gesalbt werden sollte – aber Gott teilte Ihm dann mit dass er jemand ganz anderes im Sinn hatte (1. Samuel 16: 6, 7).

Zusammenfassend kann man also sagen, dass obwohl Zeugen Jehovas sich schon mehrere Male in Ihrer Prognose geirrt haben, dies noch lange kein Indiz dafür sein muss dass sie Gottes Anerkennung nicht hätten.

Bei allem Irrtum, kann man Zeugen Jehovas sicherlich folgende biblische Aussage nicht vorhalten, und sie beschuldigen dies versäumt zu haben!

(Markus 13:32-37) Von jenem Tag oder der Stunde hat niemand Kenntnis, weder die Engel im Himmel noch der Sohn, sondern [nur] der Vater. Haltet ständig Ausschau, bleibt wach, denn ihr wißt nicht, wann die bestimmte Zeit da ist. Es ist wie ein Mensch, der, als er außer Landes reiste, sein Haus verließ und seinen Sklaven Vollmacht gab, einem jeden seine Arbeit, und dem Türhüter gebot, wachsam zu sein. Wacht also beharrlich, denn ihr wißt nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob spät am Tag oder um Mitternacht oder beim Hahnenschrei oder frühmorgens, damit er euch, wenn er plötzlich eintrifft, nicht schlafend (geniessend und entspannt) finde. Was ich aber euch sage, sage ich allen: Wacht beständig.“

Ein guter Wächter würde also ständig Ausschau halten. Er würde sicherlich beim geringsten Verdacht auf Gefahr Alarm schlagen. Und das ist auch gut so!

Besser ein paar Mal zu früh alarmieren, als nur einmal zu spät.

Dieser Wächter muss also absolut aktiv und aufmerksam sein –  auch wenn er sich manchmal irrt, so kann man ihm nicht vorwerfen seine Arbeit nicht richtig getan zu haben (besonders wenn man bedenkt dass er eben nicht vollkommen ist). Wäre er letzteres so wäre der Vorwurf aus Jesaja 56:10 gerechtfertigt!

(Jesaja 56:10) Seine Wächter sind blind. Keiner von ihnen hat Notiz genommen. Sie alle sind stumme Hunde, sie können nicht bellen, [sie] japsen, liegen da, lieben zu schlummern.

Mit einem schlummernden Wächter kann Gott sicherlich nichts anfangen! Sind Zeugen Jehovas also nun „falsche Propheten“? – Ich hoffe die obigen Ausführungen haben Sie etwas nachdenklich gemacht!

Ich, für meinen Teil glaube weder dass Zeugen Jehovas „falsch“ sind, noch dass Sie von Gott inspirierte Propheten wären. Den Titel des von Gott inspirierten Propheten, haben  (und ich behaupte mal werden) Zeugen Jehovas nie für sich in Anspruch nehmen.

Gleichwohl sind sie tatsächlich „Propheten“ in dem Sinne dass Sie Gottes Wort (die Bibel) als Maßstab nehmen und die darin enthaltenen Lehren verkünden, so wie es auch die „Propheten“ in alter Zeit taten.

4 Gedanken zu “Falsche Propheten?

  1. Wörtlich also ein „Vorhersager“ von Ereignissen.

    Eigentlich doch wohl eher jemand, der eine göttliche Botschaft „vor“ der Öffentlichkeit „ausspricht“? Zumindest passt das besser zu dem, was in der Bibel passiert. Das Vorhersagen von Ereignissen war nur ein (kleiner) Teil dessen, was biblische Propheten ausmacht. Viel wichtiger waren die Mahnungen, Gottes Grundsätze einzuhalten, und die Konsequenzen der verschiedenen Entscheidungen klar zu benennen.

  2. Genauso ist es. Nur scheint sich die Idee, daß „Propheten“ in der Hauptsache durch göttliche Eingebung die Zukunft vorhersagen können (und müssen) in die Köpfe vieler Leute eingeschlichen zu haben. Da Zeugen Jehovas den Mut hatten biblische Prophetie mit aktuellen Ereignissen zu verknüpfen, und sich dazu hinreissen liessen uneindeutige „eindeutige“ Aussagen bezüglich dem Strom der Zeit im Lichte biblischer Prophetie zu machen, haben viele angenommen, die Leitung der ZJ hielten sich selbst für von Gott inspirierte Propheten.

    So wie im Beitrag ausgeführt ist dem in der Realität offenbar nicht so!

    Schlussfolgerung für Leute die das aber glaubten (und noch immer glauben): nachdem sich die Aussagen der ZJ nicht so erfüllten wie von ihnen erhofft, hielt/hält man sie für falsche Propheten – und somit von Gott verworfen.

    Trotz allem, bin ich persönlich überzeugt, dass wenn das Ende einmal kommt, vielen Menschen bewusst werden muss, „dass sich ein Prophet in ihrer Mitte befunden hat“ (Hes 2:5)

    • Aber das scheint mir doch der Knackpunkt zu sein: Der Antwort von hgp3 und deiner Zustimmung entnehme ich, dass ein Prophet im Grunde genommen also jemand ist, der eine göttliche Botschaft vor der Öffentlichkeit ausspricht. Der „treue und verständige Sklave“ sagt von sich der Mitteilungskanal Gottes in der Neuzeit zu sein, also gemäß eurer Definition der Prophet Gottes für unsere Zeit. Wenn nun dieser Prophet Mitteilungen von sich gibt, die sich als falsch erweisen und später korrigiert werden müssen, muss er es sich leider durchaus gefallen lassen, als falscher Prophet bezeichnet zu werden. Und hier hinkt der Vergleich mit dem Wächter wirklich gewaltig! Würde der “ treue und verständige Sklave“ sich als von Gott eingesetzter Wächter definieren, wäre ihm vermutlich niemand ernsthaft böse. Aber als „Mitteilunskanal Gottes“, dessen in der Öffentlichkeit geäußerte Meinung unnwidersprochen und unverzüglich ins Glaubensbild des Gläubigen überzugehen hat, spielt man natürlich in einer anderen Liga …

      • Hi Furiel.

        Der Blogartikel geht auf dein Argument ein:

        Der „treue und verständige Sklave“ definiert sich sowohl primär als von Gott eingesetzter Wächter (deswegen gibt es auch immer noch den „Wachtturm“), als auch als Mitteilungskanal Gottes.
        Wie im Blogartikel beschrieben, haben sich inspirierte Propheten der Bibel durchaus auch irren können, ohne gleich Gottes Anerkennung zu verlieren und als „falsche Propheten“ abgestempelt zu werden. Diese Propheten ließen sich korrigieren, was nicht bedeutet dass sie nicht auch weiterhin ab und zu irrten.
        Die Leitung der ZJ heute behauptet weder vollkommen zu sein, noch dass sie inspiriert wären. Sie ist sich im klaren, dass sie auch manchmal falsch liegen – und wenn dies bemerkt wird, wird eine Ansicht korrigiert.

        Dass dennoch ihre in „der Öffentlichkeit geäußerte Meinung unwidersprochen und unverzüglich ins Glaubensbild des Gläubigen überzugehen hat“, ist übliches gegnerisches Gerede und entspricht nicht der Einstellung der Leitung sowie biblisch geschulter Zeugen Jehovas.

        Ich rezitiere aus einem vorigen Kommentar:

        Ein Zeuge Jehova tut gut daran die gleiche „edle Gesinnung“ zu haben wie die Beröer, und die Aussagen in den Veröffentlichungen von Zeugen Jehovas ebenso im Lichte der Bibel zu überprüfen. Dabei ist allerdings weder eine überkritische Einstellung hilfreich, noch sollte man blind alles glauben was dort gesagt wird. Dazu regen Zeugen Jehovas auch in ihren Veröffentlichungen an. Im „Zeugnis ablegen“-Buch (auf http://www.jw.org zu finden) steht auf S. 138 in Absatz 17:

        Dazu möchten auch wir die Menschen animieren: dass sie alles genau in der Bibel nachprüfen, damit sich ihr Glaube auf Gottes Wort aufbauen und somit auf festen Füßen stehen kann. Ist so eine Gesinnung aber auch noch gefragt, wenn man erst einmal getauft ist? Auf alle Fälle! Dann ist es sogar noch wichtiger, dass wir alles aufsaugen, was Jehova uns sagen möchte, und es dann auch prompt anwenden.

        Nächstes kleines Detail – wo sollte ich nachprüfen? In der Bibel, und nur in der Bibel. Natürlich kann man sich Konkordanzen und Bibellexika mit zu Hilfe nehmen. Aber weder Veröffentlichungen und Beiträge von Gegnern, noch von Apologeten sind für die eigene neutrale wahrheitsfindung hilfreich. Sobald man nach eingehender Überprüfung anhand der Bibel das nötige Vertrauen in die Veröffentlichungen von Zeugen Jehovas hat, versteht es sich natürlich von selbst dass man auch diese zu Rate zieht.

        Was aber, wenn ich als Zeuge Jehova etwas überprüfe, und ich gelange zu einer anderen Schlussfolgerung wie die Veröffentlichung? Das kann durchaus vorkommen!

        Entweder, man ist demütig, und gesteht sich ein dass man genau so wie diejenigen die die Aussage veröffentlicht haben, sich geirrt haben kann. Da Zeugen Jehovas glauben, das sich ihr Verständnis mit der Zeit und Hilfe des heiligen Geistes verfeinert, kommt die Leitung von selbst drauf dass sie etwas korrigieren müssen… ich glaube Gott kann das schon bewirken. Im Wachtturm vom Februar 2017 S.26 Abs.9 sagt die Leitende Körperschaft von sich selbst:

        Die leitende Körperschaft ist weder von Gott inspiriert noch unfehlbar. Aus diesem Grund kann sie sich in Lehrfragen oder in organisatorischen Anweisungen irren. Der Index der Wachtturm-Publikationen enthält sogar das Stichwort „Glaubensansichten klargestellt“, wo Veränderungen in unserem biblischen Verständnis seit 1870 aufgelistet werden. Hat Jesus gesagt, sein treuer Sklave würde für vollkommene geistige Speise sorgen? Nein.

        Also bei mir persönlich, weckt diese Selbsteinschätzung Vertrauen. Ebenso glaube ich dass Gott auch mir helfen kann, eine mir unklare Erklärung aus der Bibel mit der Zeit klarer zu verstehen, unter der Bedingung, dass ich wie die Beröer sorgfältig nachforsche, und mir nicht nur das herauspicke was in mein eigenes Glaubensbild passt. Demut ist eine unverzichtbare Eigenschaft, wenn man der Wahrheit fündig werden möchte.

        Für unchristlich halte ich es jedoch stolz zu sein, sich schlauer als alle anderen zu halten, zu meutern und zu motzen, nur weil man einen Punkt anders versteht als es diejenigen tun, die man dadurch dass man sich als Zeuge Jehovas hat taufen lassen, als den „treuen und verständigen Sklaven“ anerkannte. Paulus warnte ausdrücklich vor solch einer Gesinnung (Galater 1:7-9)

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