Zeugen Jehovas und die Vereinten Nationen

In diesem Beitrag soll es um die Sichtweise von Zeugen Jehovas gegenüber den Vereinten Nationen (UN) gehen, und ob es während beinah 10 Jahren einen heuchlerischen Fall der Unterstützung besagter UN seitens des Verwaltungsgremiums der Zeugen Jehovas gab welche vor gutgläubigen Mitgliedern der ZJ geheim gehalten wurde. 

Der Vorwurf in der Zusammenfassung: 

Von 1992 bis 2001 war die Watchtower Bible and Tract Society (WBTS) als NGO (nicht-staatliche Organisation) bei den Vereinten Nationen in deren Department of Public Information (DPI) eingetragen. Im Oktober 2001 sah sich die WBTS mit einem Vorwurf konfrontiert, welcher in einem Bericht in der englischen Zeitung The Guardian abgedruckt wurde: der WBTS wurde Heuchelei unterstellt. Als eingetragene NGO bei der UN würden sie die Vereinten Nationen unterstützen, obwohl nach der Interpretation der Zeugen Jehovas die UN das “abscheuliche Ding das Verwüstung verursacht“ aus biblischen Prophezeiungen über die Endzeit darstellt.

Die WBTS (die von Zeugen Jehovas genutzte juristische Entität), zog die Mitgliedschaft der DPI-NGO sofort zurück. Sie erklärten, dass sich die Anforderungen für eine DPI-NGO seit ihrer ersten Anfrage zur Mitgliedschaft im Jahr 1992 geändert hätten, und dankten The Guardian, dass sie auf die Angelegenheit aufmerksam gemacht hatten. – Siehe den Brief des Vorsitzendenausschusses

Die ganze Angelegenheit rief eine Reihe von Verschwörungstheoretiker auf den Plan: Zeugen Jehovas würden ihren Status als NGO benutzen, um Einfluss auf Mitgliednationen zu nehmen um sich innerhalb der Nationen (besonders Frankreich wird dabei hervorgehoben) legal und finanziell abzusichern. “Von wegen politisch neutral”. Sie hätten aktive Mitglieder arglistig in die Irre geführt heißt es.

Was ist dran an der Sache?

Wir schreiben das Jahr 1992 (schon fast 30 Jahre her das Ganze) – damals gab es noch kein Google, kein Wikipedia und auch sonst war das Internet noch in den Kinderschuhen. Wenn man sich Informationen holen wollte, war man auf physische Literatur angewiesen, sprich eine Bibliothek. Die Vereinten Nationen verfügten damals wie heute über eine derartige Bibliothek, und Zeugen Jehovas machten Gebrauch davon, auch vor 1992.

Um dieselbe Zeit gab es jedoch scheinbar eine Veränderung: Um weiter Zugriff auf einige Informationsbereiche zu erhalten, musste man NGO-DPI Status haben.

Der NGO-DPI Status sicherte einem also scheinbar weiteren uneingeschränkten Zugriff auf alle verfügbaren Publikationen die sich in den UN Bibliotheken befanden, inklusive Medien, Bilder, Notizen von UN-Versammlungen und dergleichen. Das war sicherlich bei Recherchen hilfreich.

Nebenbei: Das DPI wurde mittlerweile umbenannt in DGC (Department of Global Communications).

Ich werde nun im Weiteren nicht detailliert auf alle Punkte eingehen, die von Kritikern zu dieser Geschichte angebracht werden. Im weiteren werde ich ausführen, wieso ich denke das es hier um ein Problem geht, das keines ist.

Wir haben leider keine Zeitmaschine die uns in Jahr 1992 befördert wo wir die Bestätigung bekämen für das was wirklich geschah. Ich kann mich nur auf das stützen was das Internet hergibt. Deswegen folgende Punkte welche nicht den Anspruch der Vollständigkeit erheben:

1) Das Formular aus 1992, welches von der WBTS ausgefüllt wurde um NGO-DPI Mitglied zu werden, beinhaltete keinerlei Klauseln die verlangten im Zuge dieses Status die Vereinten Nationen maßgeblich zu unterstützen (weder finanziell noch sonst irgendwie)

2) DPI Status bekommt man nur wenn man eine Zielgruppe vieler Menschen ansprechen kann. Dazu muss man Beweise liefern. DPI steht für Department of Public Information (übersetzt “Abteilung für öffentliche Information”). Um den DPI Status zu halten muss man als Medien-Organ für die Vereinten Nationen fungieren, das heißt in seinen Publikationen wahrheitsgemäß über die Vereinten Nationen berichten. Aus diesem Grund bekommt man auch Zugriff auf interne Informationen, die nicht direkt der Öffentlichkeit zugänglich sind (so zum Beispiel von den Vereinten Nationen organisierte Konferenzen)

3) Als NGO-DPI hat man keinerlei konsultative Befugnis – kann also nicht Einfluss auf Vertreter von Mitgliederstaaten nehmen. Dafür gibt es eine anderer Art NGO: ECOSOC (Ökonomie- und Sozialrat). Zeugen Jehovas waren nie Mitglied dieser Art NGO.

4) Der NGO-DPI Status wird jährlich überprüft. Mitglieder müssen ihre Mitgliedschaft jährlich bescheinigen – diese jährliche Prüfung wurde aber erst 2002 eingeführt. Als die WBTS Mitglied des NGO-DPIs war gab es diese Prüfung noch nicht.

5) Die Kriterien für die Mitgliedschaft mit dem NGO-DPI sind bzw. waren (Stand 1996):

  • die NGO muss die Prinzipien der UN-Charta unterstützen und respektieren und ein klares Leitbild mit diesen Prinzipien haben;
  • die NGO muss national oder international anerkannt sein;
  • die NGO sollte ausschließlich auf gemeinnütziger Basis arbeiten und steuerbefreit sein;
  • Die NGO muss die Verpflichtung und die Mittel haben, wirksame Informationsprogramme über UN-Aktivitäten durchzuführen;
  • Die NGO sollte über mindestens drei Jahre lang eine Kontinuität der Arbeit nachweisen können und in Zukunft eine nachhaltige Tätigkeit versprechen.
  • die NGO sollte vor der Assoziierung eine zufriedenstellende Zusammenarbeit mit UN-Informationszentren / -diensten oder anderen Teilen des UN-Systems nachweisen können;
  • die NGO sollte einen geprüften Jahresabschluss vorlegen, der von einem qualifizierten unabhängigen Wirtschaftsprüfer durchgeführt wird; und
  • Die NGO sollte Statuten / Richtlinien haben, die einen transparenten Prozess der Entscheidungsfindung sowie der Wahl von Amtsinhabern und Mitgliedern vorsehen.

6) Die WTG behauptet, erst durch Erscheinen des Guardian-Artikels etwas über diese scheinbar veränderten Kriterien erfahren zu haben. 1992 waren die Kriterien also anscheinend anders formuliert, und annehmbar. Die “neuen” Kriterien enthielten Ausführungen welche man nicht mehr erfüllen wolle, weswegen sie die Mitgliedschaft kündigten.


Bei meinen Recherchen fand ich die Behauptung dass in einer Broschüre über NGOs von den Vereinten Nationen des Jahres 1994 folgendes Kriterium stand: „Wer kann Mitglied bei der DPI werden? Gemeinnützige (nicht-staatliche) Organisationen, die die Ideale der UN-Charta teilen.” Leider fand ich im Internet nur eine Abbildung der Seite 6 dieser Broschüre. Wer etwas Vollständigeres hat kann sich bei mir über die Kommentarfunktion melden, und ich kann es dann beifügen.

Die Anforderung änderte sich also eindeutig von dieselben Ideale wie die Charta zu teilen, zu einer aktiven Unterstützung der Prinzipien der Charta (Siehe Punkt 5 oben).

Wenn dem so ist, dann kann man der WTG Glauben schenken, dass sie dem Kriterium der „Unterstützung … der Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen“ niemals zugestimmt hat.

Möglicherweise waren sie sich jedoch der Notwendigkeit bewusst, die Ideale dieser Charta zu teilen. Beeinträchtigt diese Anforderung – wenn die WTG ihr jemals zugestimmt hat – unseren christlichen Glauben?

Jehovas Zeugen waren sicherlich nie “Teil” der Vereinten Nationen, trotz der Behauptung vieler grob falsch informierter Personen. Selbst als die Wachtturm-Gesellschaft eine DPI-NGO war, erklärte die UNO allen solchen Organisationen gegenüber klar, dass die „Vereinigung von NGOs mit der DPI weder ihre Eingliederung in das System der Vereinten Nationen darstellt, noch assoziierte Organisationen oder deren Mitarbeiter dazu berechtigt irgendeine Art von Privilegien, Immunitäten oder Sonderstatus zu beanspruchen. Die bloße Idee, dass der Zugang zu den Ressourcen der DPI – obwohl vielfältig – eine Art „politische Partnerschaft“ war oder „politische Allianz“, wie viele Kritiker behaupten, entspricht einfach nicht der Realität.

Die DPI hat noch nie eine assoziierte NGO-Organisation zum „Teil der UN“ gemacht, oder dieser Organisation irgendeine Art von Sonderbehandlung zugesprochen. Dies mag bei ECOSOC-NGOs der Fall sein, aber sicherlich nicht bei DPI-NGOs in den 90er Jahren!

Einige haben spekuliert, das „echte Motiv“ der Wachtturm-Gesellschaft sei es in den Augen der UNO und anderer Regierungen an Bedeutung zu gewinnen, insbesondere dort, wo Regierungen die Zeugen Jehovas verfolgten.

Es gibt jedoch absolut keine Beweise dafür, dass DPI-Ausweise für den Zugriff auf UN -Bibliotheksressourcen, Ausstellungen und Veranstaltungen jemals einen solchen Vorteil haben könnten. Zu spekulieren, dass eine Regierung wie die Frankreichs die Verfolgung der Zeugen Jehovas einstellen würde, weil die Bethel-Mitarbeiter in New York Zugang zu Büchern, Audio- und Filmbibliotheken haben und an UN-Bildungsworkshops in Gebäuden in New York teilnehmen können, ist ein bizarres Konzept ohne Beweise oder Präzedenzfälle um dies zu belegen.

Dies gilt insbesondere dann, wenn wir die große Anzahl von Gerichtsurteilen betrachten, die die Zeugen gewonnen haben. Wenn die Wachtturm-Gesellschaft Rechtsstatus und Anerkennung erlangen wollte, würden sie dies über die Gerichte tun, wie sie es seit Jahrzehnten erfolgreich getan haben. Wer würde ernsthaft erwarten, dass eine Regierung erneut über die Verfolgung der Zeugen Jehovas nachdenkt, weil ihren Mitarbeitern in New York von der UN-DPI Ausweise für das Schreiben von Erwachet!-Artikel ausgehändigt wurden?

Welchen rechtlichen Einfluss hätte der NGO-Status der Gesellschaft auf den Streit um die Auslegung der französischen Steuergesetze in Frankreich gehabt?

Die Behauptung, dass der DPI-NGO-Status politischen Einfluss auf verschiedene Regierungen erlangen sollte, ist nichts anderes als lächerliche Spekulation.

Das Wort „Unterstützung“

Stellen wir uns vor, wir hätten Beweise dafür (welche es aber nicht gibt), dass die WBTS tatsächlich ein Dokument unterzeichnet hat, in dem sie sich bereit erklärt hat, die Vereinten Nationen und die Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen zu unterstützen. Welche Auswirkungen hätte eine solche Vereinbarung? Würde es unseren christlichen Glauben gefährden?

Das Wort „Unterstützung“ (im Englischen “Support”) ist ein allgemeiner Begriff. In ihren Dokumenten legen die Vereinten Nationen keine genauen Spezifikationen fest, was es bedeutet, die UNO und die Grundsätze ihrer Charta zu “unterstützen” – weder im praktischen noch im philosophischen Sinne.

Definition der „Unterstützung

Als die Wachtturm-Gesellschaft ab 1945 begann, die Öffentlichkeit über die Vereinten Nationen und ihren Platz in der biblischen Prophezeiung aufzuklären, konnte man sagen, dass unsere Unterstützung darin bestand, „bestätigende Beweise anzuführen“ – ob wir das vorhatten oder nicht. Es war eine Aufklärung der Öffentlichkeit darüber, was die UNO ist, wofür sie da ist und was sie tut.

Die UNO möchte, dass die Öffentlichkeit über ihre Existenz und Relevanz in der Welt informiert wird. Deshalb können auch Organisationen, die das Versagen der Vereinten Nationen kritisieren, DPI-NGOs bleiben – ebenso wie die Wachtturm-Gesellschaft. Da das DPI dazu da ist, Informationen zu verbreiten, ist es vernünftig zu glauben, dass die Definition „bestätigende Beweise dafür“ in diesem Fall die zutreffende Definition für das Wort „Unterstützung“ ist.

Es ist jedoch auch wahr, dass Zeugen Jehovas sich Regierungen “unterordnen”, wie es uns Römer 13 vorschreibt.

Jeder Mensch soll sich den übergeordneten Autoritäten unterordnen, denn es gibt keine Autorität, die nicht von Gott kommt. Die bestehenden Autoritäten stehen auf Anordnung Gottes in ihren relativen Stellungen. Wer sich daher der Autorität widersetzt, stellt sich gegen die von Gott aufgestellte Ordnung. Wer sich ihr entgegenstellt, wird dafür verurteilt.

Gebt allen, was ihnen zusteht: dem, der die Steuer verlangt, die Steuer; dem, der den Tribut verlangt, den Tribut; dem, der Respekt verlangt, den Respekt; dem, der Ehre verlangt, die Ehre.

Römer 13: 1-2, 7

Indem wahre Christen Steuern zahlen und sich auf Gottes Anordnung Regierungen unterordnen, unterstützen und fördern sie die Rechtsstaatlichkeit und die Autorität aller menschlichen Regierungen. Tut man dies nicht, handelt man gegen diese göttliche Anordnung.

Wir respektieren die Verfassung des Landes, in dem wir diese ausleben, aufrecht erhalten und als gültig verteidigen, solange sie nicht im Widerspruch zu biblischen Grundsätzen steht. Dies würde zum Beispiel insbesondere für das Recht gelten, den eigenen Glauben zu wählen und zu praktizieren. Dies umfasst die Bill of Rights, wenn Sie in den USA leben, die Europäische Menschenrechtskonvention, wenn Sie in der Europäischen Union leben, und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte in jedem UN-Mitgliedstaat.

Darüber hinaus nutzen wir das Gerichtssystem vieler Länder, um die wahre Anbetung voranzutreiben. Viele Brüder und Schwestern unterschreiben Dokumente, aus denen hervorgeht, dass sie die Verfassung oder die Gesetze des Landes, in dem sie leben, schützen werden. Ja, wir unterstützen und fördern die Rechtsstaatlichkeit und die Autorität der von Gott angeordneten Regierungen denn “es gibt keine Autorität, die nicht von Gott kommt”.  ER hat sie in ihre „relative Stellung“ gesetzt – das schliesst die Vereinten Nationen ein.

Die Grundsätze der Charta

Es mag zwar akzeptabel sein, eine Regierung im Sinne einer Förderung ihrer von Gott gesetzten Autorität durch Zusammenarbeit usw. zu unterstützen, aber wie steht es mit der Unterstützung der Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen? Diese in der Charta zum Ausdruck gebrachten Grundsätze und Ziele sind:

“Den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit aufrechtzuerhalten ; Aggressionen zu unterdrücken , die den Weltfrieden bedrohen; freundschaftliche Beziehungen zwischen Nationen zu fördern ; die Grundfreiheiten aller Völker ohne Diskriminierung aufgrund von Rasse, Geschlecht, Sprache oder Religion zu schützen ; und internationale Zusammenarbeit bei der Lösung wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Probleme zu erreichen .“

Natürlich befürworten Zeugen Jehovas diese Ziele ebenfalls, wenngleich sie die Vereinten Nationen nicht als die Lösung ansehen.

Ist es angemessen, die Vereinten Nationen bei der Wahrung der Religionsfreiheit und der Menschenrechte unserer Brüder zu unterstützen, sofern wir nicht in diese Organisation aufgenommen werden? Absolut. Können ZJ das Gerichtssystem und andere Wege der Vereinten Nationen und ihrer Mitgliedstaaten nutzen, um Religionsfreiheit für unsere Brüder zu erwirken? Natürlich können ZJ das.

Eines der Hauptinteressen der Vereinten Nationen sind natürlich die Menschenrechte. Wenn die UNO ZJ helfen will, die wegen ihres religiösen Glaubens verfolgt werden, sollten wir das nicht unterstützen? Die UNO hat Gottes Volk noch nicht angegriffen und sich als Feind Gottes erwiesen. Hat Paulus nicht an Rom appelliert, als er verfolgt wurde? Ja. – Hat er nicht das Rechtssystem einer Regierung benutzt, das sich später als das vorhergesagte „abscheuliche Ding“ erwies, um die wahre Anbetung voranzutreiben? (Apostelgeschichte 25, 10-11; Lukas 21,20-21)

Einige regen sich auf dass die WBTS kein Problem hatte eine derartige Assoziation mit der UN zu haben, aber gleichzeitig unter getauften Glaubensbrüdern keine Mitgliedschaft an gemeinnützigen Vereinen wie der YMCA (in Deutschland: CVJM – Christlicher Verein Junger Männer) zu dulden. Der Vergleich ist jedoch irreführend. Das Problem ist bereits im Namen: während die Vereinten Nationen, Nationen vereinen möchten (welches ein gemeinsames Ziel ist), besagt der Name bereits dass die CVJM von Anfang an religiöse Ziele hatte die in vielen Teilen nicht kompatibel mit den christlichen Zielen von Zeugen Jehovas sind. Die Mitgliedschaft würde bedeuten, daß man zu einem Bestandteil dieser Organisation geworden ist, die seit ihrer Gründung bestimmte religiöse Ziele verfolgt, u. a. die Förderung des Interkonfessionalismus.

Die Vereinten Nationen gehören zu den übergeordneten Autoritäten von denen in Römer 13:1 die Rede ist. Die CVJM hingegen ist eine Organisation mit religiösem Ursprung.

Eine christliche Sicht der Vereinten Nationen

Der Wachtturm vom 1. Oktober 1995 beschreibt klar, wie Zeugen Jehovas die Vereinten Nationen sehen:

In der biblischen Prophetie werden menschliche Regierungen häufig durch wilde Tiere veranschaulicht (Daniel 7:6, 12, 23; 8:20-22). Darum werden in der Zeitschrift Der Wachtturm seit vielen Jahrzehnten die wilden Tiere aus Offenbarung, Kapitel 13 und 17 als die heutigen weltlichen Regierungen gedeutet. Dazu gehört die Organisation der Vereinten Nationen, die in Offenbarung, Kapitel 17 als ein scharlachfarbenes Tier mit sieben Köpfen und zehn Hörnern beschrieben wird.

Dessenungeachtet gestattet diese schriftgemäße Haltung keinerlei Mißachtung oder Respektlosigkeit gegenüber Regierungen oder ihren Beamten. Die Bibel sagt deutlich: „Jede Seele sei den obrigkeitlichen Gewalten untertan, denn es gibt keine Gewalt außer durch Gott; die bestehenden Gewalten stehen in ihren relativen Stellungen als von Gott angeordnet. Wer sich daher der Gewalt widersetzt, hat sich der Anordnung Gottes entgegengestellt; die, die sich ihr entgegengestellt haben, werden für sich ein Gericht empfangen“ (Römer 13:1, 2).

Jehovas Zeugen, die sich politisch strikt neutral verhalten, stellen sich deswegen menschlichen Regierungen nicht entgegen. Niemals hetzen sie zu Revolution auf oder beteiligen sich an zivilem Ungehorsam. Sie erkennen vielmehr an, daß eine Form der Regierung erforderlich ist, um Recht und Ordnung in der menschlichen Gesellschaft aufrechtzuerhalten (Römer 13:1-7; Titus 3:1).

Zu der Organisation der Vereinten Nationen sind Jehovas Zeugen genauso eingestellt wie zu anderen regierenden Organen der Welt. Sie erkennen an, daß die Vereinten Nationen durch Gottes Zulassung weiter bestehen. Im Einklang mit der Bibel erweisen Jehovas Zeugen allen Regierungen die gebührende Achtung und gehorchen ihnen, solange dieser Gehorsam keine Sünde gegen Gott erfordert (Apostelgeschichte 5:29).

Der Wachtturm vom 1. Oktober 1995

In 1. Korinther 7:31 sagte der Apostel Paulus, dass „diejenigen, die die Welt nutzen, so sein sollten, wie diejenigen, die sie nicht in vollem Umfang nutzen …“

In Anbetracht dieser Bibelstellen, wäre es nach dieser Begründung und angesichts der Definitionen, die mit dem Wort „Unterstützung“ verbunden sind wirklich verkehrt, dass ZJ die Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen unterstützen? Insbesondere in dem Bereich, auf den sich die WTG spezialisiert hat: dem der Menschenrechte und der Religionsfreiheit?

Doch die Brüder im Bethel entschieden sich – zum eigenen Nachteil – als sie den neuen Wortlaut der UN-Kriterien für die Vereinigung als DPI-NGO erkannten, die Mitgliedschaft zurückzuziehen, anstatt zu riskieren Mitgläubige zum Straucheln zu bringen.

Ich finde das lobenswert. Es stellt sich also die Frage: Welches Problem gibt es noch?

Sollten Zeugen Jehovas von der Veränderung der Kriterien für NGO-DPIs gewusst haben, so haben sie vielleicht nicht darüber nachgedacht dass dies andere zum Straucheln bringen könnte, und Kritiker bzw. der Artikel im Guardian hat sie darauf hingewiesen. In dem Falle war es zwar doof von einer säkularen Instanz darauf aufmerksam gemacht zu werden, aber hey, so ist das Leben! Manchmal kommt der Wink von unerwarteter Stelle.

Sollten Zeugen Jehovas den NGO-DPI Status haben wollen im Bestreben eine „autokratische Weltregierung“ zu propagieren, so hat man davon nichts gesehen, und es hat nichts gebracht. Wie vorher ausgeführt ist diese Beschuldigung völlig haltlos, und kann getrost als wilde Verschwörungstheorie ohne Substanz ad acta gelegt werden.

Vielleicht gibt es noch andere Bedenken was diese Geschichte anbelangt. Ich persönlich habe keine weiteren. Auf zur nächsten Geschichte…

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