Blut, Götzenopferfleisch und heidnische Bräuche

Was haben das Blutenthaltungsgebot, sowie das Gebot sich von Dingen zu enthalten die Götzen geopfert wurden (Apostelgeschichte 15:20, 29) und heidnische Bräuche miteinander zu tun? Darum geht es in diesem Artikel.

Wie bereits in einem vorigen Beitrag erläutert, geht es hierbei um einen der Hauptbibelverse mit dem Zeugen Jehovas Ihre Ablehnung von allogenen Bluttransfusionen mit gelagertem Blut oder dessen Hauptbestandteilen begründen.

Man machte mich darauf aufmerksam, dass die apostolischen Bestimmungen aus Apostelgeschichte 15:20, 29 durch den Apostel Paulus scheinbar „aufgeweicht“ wurden, nämlich in seinem ersten Brief an die Korinther (Kapitel 8)

Zur Erinnerung – die älteren Männer in Jerusalem sagten folgendes in Apostelgeschichte 15:20,28, 29 (ELB):

Denn es hat dem Heiligen Geist und uns gut geschienen, keine größere Last auf euch zu legen als diese notwendigen Stücke: euch zu enthalten von Götzenopfern und von Blut und von Ersticktem und von Unzucht

Die Anleitung ist also scheinbar klipp und klar gewesen. Die Apostel haben unmissverständlich bestimmt dass sich ein Christ von Götzenopfern enthalten sollte.

Wann wurde dieses Gebot aufgestellt? Es war um 48 n.Chr.

Paulus jedoch erklärte ungefähr 7 Jahre später, in seinem ersten Brief an die Korinther, dass Götzenopferfleisch unter Umständen scheinbar OK wäre. Tatsächlich sieht es so aus, wenn Paulus sagt:

Denn wenn jemand dich, der du Erkenntnis hast, in einem Götzentempel bei einem Mahl liegen sieht, wird nicht das Gewissen des Schwachen so weit erbaut, daß er Speisen ißt, die Götzen dargebracht worden sind? (1. Korinther 8:10)

Das hört sich so an also ob reife Christen – solche die „Erkenntnis haben“ und „stark“ im Glauben sind, wohl kein Problem mit ihrem Gewissen hatten in einem Götzentempel Fleisch zu essen das zur Götzenanbetung verwendet wurde. Nebenbei sei allerdings gesagt, dass Paulus hier weniger vom Essen (er spricht nur von einem Mahl das in einem Götzentempel gegessen wird – nicht etwa von einem Mahl das vorher Götzen geopfert wurde) spricht, als eher um den Umstand in einem Götzentempel ein Mahl einzunehmen.

Daraus leiten einige ab, dass die apostolische Bestimmung aus Apostelgeschichte 15 nicht bindend sei, und somit das Enthalten von Götzenopfern und von Blut und von Ersticktem und von Unzucht für Christen zwar gut, aber nicht zwingend notwendig sei, bzw. nur etwas für im Glauben Schwache wäre die dies nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren könnten.

Ebenso leiten einige davon ab, dass aufgrund dieser scheinbar nicht bindenden Anweisung, die Apostel insgesamt eine unbedeutende Rolle darin spielten, als „leitende Körperschaft“ Bestimmungen und Anweisungen an die jeweiligen Christenversammlungen der damaligen Zeit zu geben.

Weichte Paulus hier also etwas auf, was von den Aposteln in Jerusalem allem Anschein nach verbindlich festgelegt wurde?

Wegen mangelnder Zeit, wage ich hier ausnahmsweise eine Erklärung aus dem Einsichtenbuch zu verlinken – ich könnte es nicht besser erklären, und stimme den Ausführungen zu.

Im Grunde genommen handhabten die Heiden in ihrem Götzendienst es ähnlich, wie die Israeliten es von Gott geboten bekamen:

Und das Fleisch des Danksagungsschlachtopfers seiner Gemeinschaftsschlachtopfer soll am Tag seiner Darbringung gegessen werden. Er soll nichts davon aufheben bis zum Morgen.

Und wenn das Schlachtopfer seiner Opfergabe eine Gelübdegabe oder eine freiwillige Gabe ist, soll es an dem Tag, an dem er sein Schlachtopfer darbringt, gegessen werden, und am nächsten Tag kann auch noch das, was davon übriggeblieben ist, gegessen werden. (3. Mose 7:15-16)

Bei dem Götzenopferfleisch das Paulus ansprach ging es also höchstwahrscheinlich um Fleisch das nach der rituellen Opferung übrig blieb, und entweder am Markt weiterverkauft wurde, oder außerhalb der Götzenanbetungsrituals verzehrt wurde (1. Korinther 10:27)

Es steht dennoch die Frage im Raum: Obwohl die Apostel und Älteren Männer in Jerusalem bestimmt hatten sich von Götzenopfern zu enthalten, wie kommt Paulus dazu zu sagen dass das Fleisch das für den Götzendienst verwendet wurde, OK zum Verzehr wäre?

Nun, die Sache erklärt Paulus selbst, im selben Brief an die Korinther.

Werdet auch nicht Götzendiener wie einige von ihnen, so wie geschrieben steht: „Das Volk setzte sich nieder, um zu essen und zu trinken, und sie standen auf, um sich zu vergnügen.“  (1. Korinther 10:7)

Paulus war sich schon im klaren, dass man innerhalb eines Götzendienerischen Rituals sich von Götzenopfern enthalten sollte, da man sich so zum Götzendiener gemacht hätte – etwas für Gott abscheuliches.

Außerhalb des götzendienerischen Rituals war es jedoch für den Durchschnittschristen mitunter unmöglich herauszufinden ob am Fleischmarkt verkauftes Fleisch vorher für den Götzendienst verwendet wurde – und Paulus sagte sie sollten sich darüber keinen Kopf machen. Wenn sie nicht wussten ob das Fleisch für den Götzendienst verwendet wurde, könnten sie reines Gewissens essen. Sie hatten keinen Einfluss darauf, wofür das Fleisch vorher verwendet wurde.

Würde man sie jedoch darauf aufmerksam machen dass es für den Götzendienst verwendet wurde, „so eßt nicht um dessentwillen, der es enthüllt hat, und um des Gewissens willen.“ (1. Korinther 10:28) – es könnte für andere wie eine Form des Götzendienstes aussehen, wenn sie wussten, dass man sich bewusst für solches Fleisch entscheiden würde, und sie zum Straucheln bringen. Würde es soweit kommen hätte man das Gewissen anderen verletzt und gegen Christus gesündigt (1. Korinther 8:12)

Denselben Ansatz verfolgen Zeugen Jehovas in vielen Bereichen. Hier einige Denkanstöße bezüglich den Geboten aus Apostelgeschichte 15: Das Enthalten von Blut, Götzen, Ersticktem und Unzucht.


BLUT

Zeugen Jehovas akzeptieren grundsätzlich keine medizinischen Behandlungen mit Blut. Das führen sie auf ein Gebot Gottes zur Zeit Noahs zurück welches als Teil des mosaischen Gesetzes bekräftigt wurde und durch Apostelgeschichte 15 für Christen bekräftigt bzw. bestätigt wurde.

Auch Eigenblutspenden bzw. Transfusionen mit gelagertem Eigenblut kommen für Zeugen Jehovas nicht in Frage – ebenso werden die Hauptbestandteile von Blut nicht akzeptiert.

Wie kommen Zeugen Jehovas allerdings dazu, es dem Gewissen ihrer Mitglieder zu überlassen, aus Blut gewonnene Fraktionen zu akzeptieren? Dazu muss ja auch literweise Blut entnommen und gelagert werden um diese Fraktionen extrahieren zu können – zudem handelt es sich um Fraktionen aus Fremdblut, da Zeugen Jehovas selbst ja kein Blut spenden!

Hier greift der Denkansatz von Paulus:

  • Zeugen Jehovas haben keinen Einfluß darauf dass aus gespendetem Blut Fraktionen extrahiert werden. Sie sind ebenso wenig am Spenden des Blutes beteiligt, noch geben sie den Auftrag mit gelagertem Blut zu arbeiten.
  • Blutfraktionen können aus den Hauptbestandteilen des Blutes extrahiert werden. Die meistvorkommende Blutfraktion ist Hämoglobin, welche aus den Erythrozyten gewonnen wird und maximal 10% des ganzen Blutes ausmachen – Hämoglobin als Blutfraktion wird allerdings bei Blutarmut kaum noch benutzt – stattdessen werden pre-operativ und post-operativ Eiseninfusionen, oder Erythropoetin häufiger eingesetzt um die Anzahl der Sauerstoffträger im Blut sowie das Blutvolumen zu erhöhen. Die nächstgrößte Fraktion ist Albumin – dieses Protein macht nur noch etwa 1-2% des Blutes aus. Hilfreiche Infos hierzu hier.

Die Bibel fordert dazu auf sich des Blutes zu enthalten. Die Hauptbestandteile (Plasma, Erythrozyten, Leukozyten, Thrombozyten) machen in ihrer jeweiligen einzigartigen Zusammensetzung das Blut aus, weswegen Zeugen Jehovas sich auch von den jeweiligen Zusammensetzungen der Hauptbestandteile enthalten.

Nimmt man aus diesen Zusammensetzungen jedoch Einzelstoffe heraus, und verwendet Sie für sich isoliert zu medizinischen Zwecken, so ist es schwierig eindeutig das Blutenthaltungsgebot darauf anzuwenden zu wollen. Viele dieser Einzelstoffe findet man in der Natur wieder, seien es Ionen, Proteine (die man in ähnlicher Form auch in Pflanzen wiederfindet).  Auch sind Hormone die durch die Blutzellen gebildet wurden unter diesen Fraktionen.

Ab hier gilt der Grundsatz der Gewissensentscheidung – so wie Paulus ihn anwandte. Aber würde jemand der Blutfraktionen annimmt nicht Gefahr laufen jemanden zum Straucheln zu bringen der darin eine Missachtung von Gottes Gebot sieht? Das könnte theoretisch passieren – nur geht es ja auch hier gegebenenfalls um Leben und Tod. In dem Fall wiegt die Wichtigkeit des Lebens sicher schwerer. Außerdem stehen solche Behandlungsmethoden unter ärztlicher Schweigepflicht, und ein reifer Christ würde sich sicher davor hüten, eine Behandlungsmethode anzupreisen oder andere zur gleichen Behandlungsmethode aufzufordern, da er in dieser Frage die Meinungs, bzw. Gewissensfreiheit eines anderen respektieren möchte.


GÖTZEN

Jehovas Zeugen feiern weder Geburtstag, noch Weihnachten, noch Ostern, noch Halloween, noch sonstige religiös angehauchte Feste, außer das Abendmahl des Herrn.

Für viele bedeutet das, dass Zeugen Jehovas Spaßbremsen sein müssen.

Aber wo kommen die meisten heute gängigen Feiern her?

Die meisten haben ihren Ursprung im Heidentum. So auch Geburtstag:

Herkunft des Brauchs der Geburtstagsfeier (Zitat aus Wikipedia)

Kulturhistorisch geht der moderne Brauch der Geburtstagsfeier auf die frühe Hochkultur des Alten Ägypten sowie die Kultur der Antike (Griechen und Römer) zurück. Bei den Ägyptern wurde die Geburtstagsfeier zu Ehren des Pharao abgehalten. Bei den Griechen und Römern hingegen diente die Geburtstagsfeier zur Anrufung von Schutzgeistern, um die gefeierte Person vor Schlechtem zu bewahren. Geburtstagsgeschenke stellten dabei ein Opfer an den Schutzgeist dar. Auch das Ahnengedenken spielte eine Rolle. Ursprünglich waren monatliche Feiern, meist von Gemeinschaften am selben Tag geborener Menschen, üblich. Ein Bezug zu angeblich am selben Tag geborenen Göttern war konstitutiv. Einladungen, Segenswünsche, Geschenke, Reden und Gedichte waren üblich.

In der römischen Kaiserzeit wurde der Geburtstag des Herrschers sowie der Mitglieder seiner Familie mit Dankfesten feierlich begangen. Nicht zuletzt wegen seiner Bedeutung für die Astrologie waren der Geburtstag und an ihm vorkommende besondere Ereignisse mit zahlreichen mystisch-magischen Vorstellungen über deren Vorbedeutung für das Schicksal des Betroffenen mit entsprechendem apotropäischen Brauchtum bzw. Ritualen verbunden, die auch unter der Vorherrschaft des der Geburtstagsfeier zunächst indifferent bis ablehnend gegenüberstehenden Christentums fortbestehen und sich bis in die Gegenwartskultur hinein weiterentwickeln (symbolische Geburtstagsgaben, Geburtstagskerzen, Geburtstagskuchen usw.).

Wenngleich heute kaum jemand Schutzgeister, Magie und Astrologie im Sinn hat, wenn er einen Geburtstag feiert, so zeigt es dennoch, dass das Feiern von Geburtstagen heidnischen Ursprungs ist. Ein Zeuge Jehovas feiert sich nicht selbst am Jahrestag seiner Geburt (wobei mal nebenbei erwähnt auch Zeugen Jehovas es lieben Party zu machen) – da er weiß welchen Ursprungs die Feier hat, und mit dem Feiern somit bewusst eine götzendienerische Handlung begehen würde.

In Firmen ist es heute Gang und Gäbe dass Kollegen einen Geburtstagskuchen mitbringen. Was wenn am nächsten Tag davon Reste übrig sind, und man sich in der Küche davon bedienen darf? Wäre es für einen Zeugen Jehovas verkehrt sich dann ein Stück davon zu nehmen? Laut Pauli Aussage ist es eine Gewissensfrage.

Darf ein Zeuge Jehovas auf einen Weihnachtsmarkt?

Darf ein Zeuge Jehovas sich den Kölner Dom von innen anschauen?

Darf ein Zeuge Jehovas Schokohasen die man zu Ostern kaufen kann essen? Darf ein Zeuge Jehovas sich bemalte Eier im Supermarkt kaufen?

Alles Gewissensfragen.


ERSTICKTES

Dabei handelte es sich offensichtlich um nicht ausgeblutetes Fleisch. Interessant, dass es nebenbei erwähnt wird. Wenn es bei den Verboten aus Apostelgeschichte 15 nur Blut in Form von Nahrung gehandelt hätte, hätte Blut separat eigentlich gar nicht erwähnt werden müssen.

In wie weit spielt das Gewissen hier eine Rolle? Auch bei gut ausgebluteten Tieren kann man labortechnisch Blutrückstände feststellen. Dessen war sich Gott sicher bewusst als er Menschen erlaubte Fleisch zu essen.

Es wäre aber für einen überzeugten Vegetarier kein Grund, jemanden der ausgeblutetes Fleisch essen möchte ins christliche Gewissen zu reden.

Außerdem wird in vielen Discountern heute Fleisch aus Massentierhaltung angeboten, wo viele Tiere darunter leiden. Ist es OK wenn ein Zeuge Jehovas Fleisch aus dem Discounter kauft, obwohl er weiß dass die Tieren eventuell auf unwürdige Weise gehalten werden?

Es ist wieder eine Frage des Gewissens.


UNZUCHT

Für Christen ist klar, dass solche die Unzucht treiben keinen Platz in Gottes Königreich haben (Galater 5:19-21). Ebenso kommt Pornografiekonsum für einen Zeugen Jehovas nicht in Frage.

Was ist aber mit Filmen oder Fernsehserien in denen die Hauptrollen als Sympatieträger nicht die Moralmaßstäbe von Christen erfüllen?

 


Anhand dieser Beispiele hoffe ich vermittelt haben zu können, dass Pauli Erklärungen aus 1. Korinther 8 nicht etwa das Apostolische Gebot aus Apostelgeschichte 15 aufweichte, sondern eher um Gewissensfragen erweiterte.

Außerdem hoffe ich hiermit den Standpunkt von Zeugen Jehovas was Blut betrifft, sowie über Geburts- und Feiertage erläutert zu haben.

10 Gedanken zu “Blut, Götzenopferfleisch und heidnische Bräuche

  1. Ich zitiere, die m.E. gesunde biblische Auslegung des Enduring Word-Bibelkommentars zu Apg 15:20:

    „h. But that we write to them to abstain from things polluted by idols, from sexual immorality, from things strangled, and from blood: James’ decision that Gentile believers should not be under the Mosaic Law was also given with practical instruction. The idea was that it was important that Gentile believers did not act in a way that would offend the Jewish community in every city and destroy the church’s witness among Jews.

    i. If the decision was that one did not have to be Jewish to be a Christian, it must also be said clearly that one did not need to forsake the Law of Moses to be a Christian.

    i. To abstain from things polluted by idols…from things strangled, and from blood: These three commands had to do with the eating habits of Gentile Christians. Though they were not bound under the Law of Moses, they were bound under the Law of Love. The Law of Love told them, “Don’t unnecessarily antagonize your Jewish neighbors, both in and out of the church.”

    […]

    k. To abstain from: Gentile Christians had the “right” to eat meat sacrificed to idols, to continue their marriage practices, and to eat food without a kosher bleeding, because these were aspects of the Mosaic Law they definitely were not under. However, they were encouraged (required?) to law down their rights in these matters as a display of love to their Jewish brethren.

    i. “All four of the requested abstentions related to ceremonial laws laid down in Leviticus 17 and 18, and three of them concerned dietary matters which could inhibit Jewish-Gentile common meals.” (Stott)“

    • Hi Kyp,

      Danke für den Bibelkommentar. Wenn dies deines Erachtens eine „gesunde biblische Auslegung“ ist darf das natürlich deine Meinung sein.

      Ich habe allerdings folgende Bedenken:
      Wenn die Apostel und älteren Männer in Apostelgeschichte 15:20 Bestimmungen erlassen haben, die aussagen das man sich von Blut, Ersticktem, Götzen und Unzucht enthalten soll, und dabei nur im Sinn hatten, die Judenchristen die noch immer am mosaischen Gesetz hingen aus Liebe nicht zu verprellen, wieso adressiert sich Paulus (der ja auch bei dieser Diskussion mit dabei war die zu diesem Grundsatzentscheid geführt hat) in 1. Korinther 8:7 an Christen „die bis jetzt an den Götzen gewöhnt sind, [die] Speise als etwas einem Götzen Geopfertes essen, und [deren] Gewissen, das schwach ist, befleckt wird“?

      Es waren offensichtlich Judenchristen deren Gewissen es zuließ, Fleisch zu essen das vorher in einem heidnischen Ritual verwendet wurde. Es waren die Heidenchristen die damit ein Problem hatten – nicht umgekehrt wie der Bibelkommentar es suggeriert.

      Das mosaische Gesetz war ein Erzieher der zu Christus führte (Galater 3:24). Die Abschaffung des mosaischen Gesetzes war nicht als Freibrief gedacht, Dinge treiben zu können die unter dem mosaischen Gesetz als Sünde galten (Römer 6:14).

      Außerdem handelte es sich beim Verbot des Blutgenusses nicht nur um ein mosaisches Gebot – sondern es wurde schon vorher zu Noah’s Zeiten aufgestellt, und durch die Apostel und älteren Männer bestätigt. Es war nicht nur eine Übertretung eines mosaischen Gesetzes sondern eine Sünde gegen Gott (1. Samuel 14:33). Diese Einstellung hatten die ersten Christen sogar noch über hundert Jahre nachdem dieses apostolische Gebot erlassen wurde, das bestätigt uns Tertullian. Es ist fatal zu denken Gottes Einstellung zum Blut hätte sich geändert, nur um Heiden es einfacher zu machen den christlichen Glauben anzunehmen.

      Was die Unzucht anbelangte, so war es Paulus, der eine unmissverständliche Sprache gebrauchte was moralische Grundsätze anbelangt (1. Korinther 6:15; 1.Thessalonicher 4:3)

      Es war die Streitfrage der Beschneidung die zu der Grundsatzentscheidung in Apostelgeschichte 15 führte. Man stelle sich vor bekehrte jugendliche bzw. erwachsene Heidenchristen wären gezwungen gewesen sich einer buchstäblichen Beschneidung zu unterziehen (ohne Narkose die es damals nicht gab) damit sie einem Gesetz gerecht werden konnten das durch Jesu Opfertod hinfällig war. Die apostolische Bestimmung richtete sich gleichermaßen an Judenchristen wie auch an Heidenchristen – für beide Gruppen sollten die gleichen Regeln gelten (Römer 10:12). Man stieß aber keine allgemein gültige Gesetze Gottes um nur um sich Heidenchristen anzunähern – die Liebe gegenüber Gott und seinen Geboten ist nämlich genauso wichtig wie die Liebe zum nächsten (Lukas 10:27; Kolosser 3:22).

      • Hallo Fossilisus,

        ich versuche dir nach bestem Wissen zu erwidern:

        Blut, Ersticktes, Götzengeopfertes und Unzucht wurden offensichtlich deshalb betont, weil Heiden den Umgang damit anders gewohnt waren als es bei den Juden etabliert waren. Wie du weißt, tranken Heiden mitunter auch Blut, besonders auch in Verbindung mit Götzenritualen. Ersticktes und Götzengeopfertes hatten offensichtlich ebenfalls am häufigsten einen rituellen Bezug. Bei Juden stand auf jede Art des Götzendienstes die Todesstrafe. Es war klar, dass hier keine Kompromisse gemacht werden konnten und sowohl auf Gewissen als auch auf Kultur und die Friedenserhaltung wert gelegt werden musste (vgl. Barne’s Notes).

        Dass das Blutverbot ebenso wie das Sabbatgebot lange vor dem mosaischen Gesetz bestand ist natürlich beachtenswert und richtig. Hier scheiden sich nun die Geister, inwieweit das Gebot tatsächlich auch in jeglicher Form für Christen bindend ist oder inwieweit es keine Notwendigkeit in reinen Heidengemeinden mehr hat (vgl. Calvin). Die Natur lehrt uns, dass Blut von Haus auf höchst unbekommlich und ungesund ist, weshalb es allein schon deshalb nicht logisch erscheint, es als Nahrungsmittel zu nutzen. Das Thema der Bluttransfusionen ist leider ein zu weites Feld, als dass man es in einem Satz sinnvoll kommentieren könnte.

        Ich gebe zu bedenken, dass sich 1. Kor. 10 sehr wohl auch auf Apg. 15 bezieht. In beiden ist klar von Götzem geopfertem Fleisch die Rede. Während es die Apostel und Ältesten in Jerusalem eindeutig gebieten, sich davon zu enthalten, schränkt Paulus das Verbot ein, indem er NUR auf Situationen bezieht, in denen ein solches Verhalten Anstoß erregen würde.

        Ich möchte außerdem noch auf folgendes eingehen:

        „Es waren offensichtlich Judenchristen deren Gewissen es zuließ, Fleisch zu essen das vorher in einem heidnischen Ritual verwendet wurde. Es waren die Heidenchristen die damit ein Problem hatten – nicht umgekehrt wie der Bibelkommentar es suggeriert.“

        Die überwiegende Mehrheit der Gelehrten ist sich einig, dass es um das Bild der Judenchristen, für die genannte Praktiken völlig inakzeptabel waren, zu den Heidenchristen ging, die völlig anders aufgewachsen sind.

        „Es war nicht nur eine Übertretung eines mosaischen Gesetzes sondern eine Sünde gegen Gott“

        Ist mir unklar, was du genau meinst – jede Übertretung des Gesetzes ist für einen Juden Sünde gegen Gott. Zudem gibt es die teils gut begründete Ansicht, dass es keine Sündenabstufungen gibt und Sünde immer Sünde ist. Das einzige was man ausnehmen könnte, ist die Sünde gegen den Geist, wenn jemand klar Gottes Wege gesehen hat und ihn dennoch willentlich ablehnt.

        Ich danke für den anregenden Austausch und wünsche dir Gottes Segen

        Kyp

  2. Danke Kyp für deine sachlichen Argumente.

    Sicherlich waren es Heiden, bevor sie Christen wurden, mitunter gewohnt Blut zu trinken, unmoralisch zu handeln, und in dieser Verbindung auch dem Götzendienst zu fröhnen – es bestimmte ihren Alltag.

    Derlei Dinge waren Judenchristen nicht gewohnt, und im Judentum war es undenkbar so zu handeln.

    Und natürlich ist es nur logisch eine Verbindung zwischen den erlassenen Bestimmungen aus Apostelgeschichte 15 und den Erläuterungen aus 1. Korinther 8 zu ziehen. Während Du (und einige Gelehrte) allerdings davon ausgehen dass Paulus das Gebot aus Apg 15 in seinem ersten Brief an die Korinther einschränkt, sehe ich es allerdings nicht so – ich sehe es als Erweiterung um Gewissensfragen.

    Die 4 Verbote aus Apostelgeschichte 15 haben eigentlich allesamt ihren eigentlichen Ursprung nicht im mosaischen Gesetz:
    Das erste Buch Mose, dass eindeutig keinen Teil des mosaischen Gesetzes enthielt, bezog sich auf genau diese vier Punkte als ethische Forderungen:

    In 1.Mose 9:1-7 wird u.a. die Heiligkeit des Blutes als Träger des individuellen Lebens (heb. nephesch) betont und gleichzeitig das Essen von Fleisch mit Blut darin verboten. In 1.Mose 39:9 wird sexuelle Unmoral als „Sünde gegen Gott“ bezeichnet und in 1.Mose 35:2 wird die Götzenanbetung als nicht kombinierbar mit der Anbetung Jehovas bezeichnet. Die Formulierung legt es dort übrigens nahe, die Götzenanbetung als „Befleckung“ oder „Beschmutzung“ zu bezeichnen.

    Wenn Gottes Wort von einer „Sünde gegen Gott“ spricht, dann bleibt es auch eine Sünde gegen Gott, unabhängig davon zu welcher Zeit und unter welchem damals gültigen Gesetz es niedergeschrieben wurde.

    Wenn man die Worte des Jakobus aus Apostelgeschichte 15 so versteht, wie eben beschrieben, dann ergeben sich folgende Konsequenzen:

    – Es wird gezeigt, dass das Heidenchristen das Gesetz nicht halten müssen, dass es aber ethische Grundsätze von allgemeiner Gültigkeit im ersten Buch Mose gibt, die auch von Christen nichtjüdischer Herkunft zu beachten sind.

    – Die Ausdrücke „Hurerei“ und „Befleckung mit Götzen“ behalten die Bedeutung, die sie sonst auch in der Bibel haben nämlich „sexuelle Unmoral“ und „Teilnahme an Götzendienst“.

    – „Enthalten von Blut“ bezieht sich darauf, dass Blut mit dem individuellen Leben gleichgesetzt wird und die alleinige Verfügungsgewalt Gottes über menschliches und tierisches Leben anerkannt wird. Das „erwürgte“ bezieht sich auf nicht ausgeblutetes Fleisch und weist darauf hin, dass die Heiligkeit des Blutes auch Konsequenzen für das alltägliche Leben hat.

    1. Mose werft ein Licht darauf wie Gott diese Dinge sieht, und das unabhängig vom mosaischen Gesetz das erst später eingesetzt wurde und dann durch Jesu Opfertod ungültig wurde. Dass Apostel Jesu diese unverrückbaren Gebote Gottes (der sich nebenbei bemerkt nicht verändert – Jakobus 1:17) nur deswegen aufstellten um Judenchristen nicht zu vergraulen ist für mich undenkbar.

    Man kann nicht davon ausgehen die Apostel aus Jerusalem oder Paulus hätten die Judenchristen nicht verprellen wollen, und gleichzeitig in Kauf genommen Gott den Allmächtigen zu verprellen.

  3. Hallo Fossilisus,

    „In 1.Mose 39:9 wird sexuelle Unmoral als „Sünde gegen Gott“ bezeichnet“

    Eine genaue Definition von sexueller Unmoral/Hurerei erfolgte erst durch das mosaische Gesetz. Das sehen wir bspw. an den Halbgeschwisterehen der Patriarchen, die dann unter dem Gesetz klar verboten waren. Diverse Kommentatoren gehen davon aus, dass der jerusalemische Brief genau auf die Sexualmoralbestimmungen im Gesetz anspielt. Der narrative Text in 1. Mo. 39 ist m.E. gewiss nicht von direktem Lehrcharakter – dieser dort erwähnte klassische Ehebruch scheint nicht das zu umfassen, worauf sich Apg. 15 in einem viel weiterem Sinne bezieht.

    „Dass Apostel Jesu diese unverrückbaren Gebote Gottes (der sich nebenbei bemerkt nicht verändert – Jakobus 1:17) nur deswegen aufstellten um Judenchristen nicht zu vergraulen ist für mich undenkbar.“

    Mit dieser Meinung stehst du recht alleine dar. Große Glaubensvorbilder und Bibelforscher, die ihr Leben lang Bibelarbeit betrieben und die Welt evangelisierten sehen Apg. 15 in einem klar anderen Licht. Wir müssten dem Brief des Paulus große Gewalt antun, wenn wir behaupten würden, dass er mit der Erlaubnis des Essens von Götzenfleisch etwas anderes meinte als (jetzt kommts:) die Erlaubnis des Essens von Götzenfleisch. Und darin liegt auch der Grund, warum 1. Kor. 10:28 von fast allen anders interpretiert wird, als du es hier vorschlägst.

    Gottes Segen

    Kyp

    • Hi Kyp,

      „Eine genaue Definition von sexueller Unmoral/Hurerei erfolgte erst durch das mosaische Gesetz.“

      Da hast Du recht – dennoch war schon vorher klar wie Gott Unzucht beurteilt und was darunter fallen würde, sei es in Verbindung mit der Sintflut, oder in Verbindung mit Sodom und Gomorra (Judas 7).

      „Mit dieser Meinung stehst du recht alleine dar. Große Glaubensvorbilder und Bibelforscher, die ihr Leben lang Bibelarbeit betrieben und die Welt evangelisierten sehen Apg. 15 in einem klar anderen Licht.“

      Damit kann ich leben – es ist im Zuge dieser Diskussion für mich irrelevant.

      „Wir müssten dem Brief des Paulus große Gewalt antun, wenn wir behaupten würden, dass er mit der Erlaubnis des Essens von Götzenfleisch etwas anderes meinte als (jetzt kommts:) die Erlaubnis des Essens von Götzenfleisch.“

      Wenn man seine Sichtweise auf „die Erlaubnis des Essens von Götzenfleisch“ beschränkt, so habe ich nirgens behauptet dass Paulus etwas anderes gemeint hätte. Beschränkt man sich allerdings nicht nur auf Götzenfleisch, so fällt auf das es Paulus nicht um das Fleisch an sich ging, sondern um den Götzendienst, und dem Umstand dass Christen das Gewissen anderer Christen respektieren sollten wenn es darum geht zu entscheiden ob man Götzenopferfleisch ausserhalb eines götzendienerischen Rituals verzehren möchte oder nicht.

      Wollte Paulus deiner Meinung nach etwa sagen dass Götzendienst OK wäre, bzw. eine Frage des Gewissens sei?
      Wollten die Apostel und älteren Männer das etwa sagen wenn sie geboten sich von „Verunreinigung durch Götzen“ und „Götzenopfern“ zu enthalten (Apg 15:20,29 Elberfelder)?
      Die Betonung auf Götzenopferfleisch findet man in den Originalschriften nicht.

      Den Jerusalemer Aposteln und älteren Männern ging es ebenso wenig um das Fleisch an sich, wie Paulus es nicht um das Fleisch an sich ging. Es ging um das Gebot keine götzendienerischen Handlungen zu begehen, und Paulus erweiterte es um Gewissensfragen in Verbindung mit dem Verzehr von Götzenopferfleisch ausserhalb eines götzendienerischen Rituals, das einige „glaubensschwache“ Christen hätten als götzendienerische Handlung interpretieren können. Auf solche sollte in Liebe Rücksicht genommen werden – darum ging es Paulus.

      • Hallo Fossilisus,

        in dem Fall muss ich mich das Augenmerk mehr auf Apg. 15 legen:

        In Vers 20 stimme ich dir zu – hier ist die genaueste Übersetzung „Verunreinigung durch Götzen“.
        Vers 29 spricht jedoch von „euch zu enthalten von Götzenopfern“.

        Der eigentliche Gegenstand unserer Debatte ist: Was ist damit gemeint?
        Vers 29 scheint etwas eindeutiger und leichter zu interpretieren zu sein. Was bedeutet es sich, von Götzenopfern zu enthalten? Die einstimmige Meinung unter Bibelforschern ist, dass es sich um das Speisen von Götzen geopfertem Fleisch handelt. Daher übertragen das kommunikative/interpretative Übersetzungen auch so – nicht aus Böswilligkeit, um den Leser zu täuschen und von der Wahrheit fernzuhalten.

        Erweiternd ist zu sagen, dass sich Apg. 15 und 1. Kor. 10 auch auf die Teilnahme an Festmählern bezieht, die in heidnischen Tempeln abgehalten wurden und wo Götzen geopfertes Fleisch gemeinschaftlich gegessen wurde.

        „Um Frieden zwischen jüdischen und heidnischen Glaubenden zu fördern, wurde von den Heiden verlangt, dass sie sich jeglicher Praktiken enthielten, die für Judenchristen abscheulich waren. Im Gegenzug würden die Judenchristen mit den Heidenchristen Umgang pflegen (vgl. 1. Kor. 8,13). Verunreinigung durch Götzen: Heiden nutzten Götzentempel für Festmähler (vgl. 1Kor 10,14-22 u. Anm.). Unzucht: Es ist nicht wahrscheinlich, dass das Wort an dieser Stelle gesetzeswidrige sexuelle Beziehungen meint (obwohl es das an anderes Stelle bedeutet), da diese für jeden Christen falsch wären, ganz gleich ob Heiden- oder Judenchrist. Es hat hier offensichtlich die besondere Bedeutung von Ehen, die zwischen zu nahen Verwandten geschlossen werden, wie das in 3Mo 18 verboten wird“ (Ryrie Studienbibel, Anmerkungen zu Apg. 15:20).

        Nun stellt sich die Frage, welche Interpretation richtig ist. Hier können wir nur gebetsvoll, aufrichtig und anhand des Wortes Gottes entscheiden.
        Ähnlich wie beim Thema Errettung sind wir bei einer entweder-oder-Frage angelangt. (Wurden wir durch Gnade errettet, d.h. nicht aufgrund von Werken? Oder erfahren wir die Gnade nur aufgrund unserer Glaubenswerke, weshalb uns dann nicht Gnade allein, sondern doch wieder Werke gerettet hätten? Ein sowohl-als-auch scheint in Fragen wie diesen nicht möglich zu sein.)

      • Hi Kyp,

        Du stimmst also der allgemeinen Auffassung zu, dass sich Apostelgeschichte 15,29 auf rituelle Reinheitsvorschriften der Juden bezieht, wie man sie in 3.Mose 17:18 finden kann. Wie Du sagst, sehen viele Bibelübersetzer dies so und fügen entsprechende Worte in ihre Bibelübersetzungen (und/oder Fußnoten) ein. Damit geht dann die Schlussfolgerung einher, dass diese Vorschriften allein dazu dienten, den Judenchristen das Akzeptieren der Heidenchristen zu erleichtern. Da es diesen Konflikt aber mangels Judenchristen nicht mehr gibt, sind auch die entsprechenden Vorschriften (nach dieser Ansicht) nicht mehr erforderlich.

        Du darfst es so sehen wie dann wohl die meisten anderen „Bibelforscher“, die dann scheinbar ignorieren um was es in Apostelgeschichte 15 wirklich ging, nämlich um die Frage was notwendig war um Rettung zu erlangen.

        Apostelgeschichte 15:1
        Und gewisse Männer kamen aus Judạ̈a herab und begannen die Brüder zu lehren: „Wenn ihr euch nicht nach dem Brauch des Moses beschneiden laßt, könnt ihr nicht gerettet werden.

        Die Frage: Was ist für Christen erforderlich, um gerettet zu werden (Protestanten benutzen das Wort „heilsnotwendig“)? Insbesondere wird hier die Frage aufgeworfen, ob die „Beschneidung nach dem Brauch Mose“ erforderlich ist und damit (hier noch implizit) das Halten des mosaischen Gesetzes.

        Apostelgeschichte 15:5
        Doch einige derer von der Sekte der Pharisäer, die gläubig geworden waren, erhoben sich von ihren Sitzen und sprachen: „Es ist notwendig, daß man sie beschneide und ihnen gebiete, das Gesetz Mose zu halten.“

        „Notwendig“ wozu? Laut Kontext – zur Rettung.

        Apostelgeschichte 15,6:
        Da versammelten sich die Apostel und die älteren Männer, um diese Angelegenheit zu erwägen.

        Welche Angelegenheit? Offensichtlich die Frage, die in Antiochia und Jerusalem aufgeworfen wurde: Ist es für Christen erforderlich zur Rettung, dass sie sich beschneiden lassen und das Gesetz Mose halten?

        Apostelgeschichte 15:28-29:
        Denn der heilige Geist und wir selbst haben es für gut befunden, euch keine weitere Bürde aufzuerlegen als folgende notwendigen Dinge: euch von Dingen zu enthalten, die Götzen geopfert wurden, sowie von Blut und von Erwürgtem und von Hurerei. Wenn ihr euch vor diesen Dingen sorgfältig bewahrt, wird es euch gutgehen. Bleibt gesund!

        Wieso waren diese Dinge notwendig? Um Heidenchristen nicht zu verprellen, und die Einheit zu bewahren? Darum ging es gar nicht. Es ging um Heilsnotwendigkeiten die gleicherweise von Judenchristen und Heidenchristen zu befolgen waren.

        Konnte das Essen von Götzenopferfleisch als Götzendienst gewertet werden?

        1.Korinther 8:10
        Denn wenn jemand dich, der du Erkenntnis hast, in einem Götzentempel bei einem Mahl liegen sieht, wird nicht das Gewissen des Schwachen so weit erbaut, daß er Speisen ißt, die Götzen dargebracht worden sind?

        Wir sind uns einig dass es hier darum ging das Gewissen anderer zu berücksichtigen. Dennoch finde ich diesen Satz interessant. Wäre es so schlimm jemanden zu etwas zu erbauen wenn es in Wirklichkeit keine Sünde mehr darstellt?
        Oder könnte ein derart rücksichtsloses Verhalten nicht eher dazu führen, dass man jemanden dazu bewegt zu denken es sei nichts dabei Götzendienst zu treiben und durch das Essen von Götzenopferfleisch innerhalb eines götzendienerischen Rituals „Teilhaber am Tisch der Dämonen zu sein“ (1.Korinther 10:14,18-22). Man solle vor Götzendienst fliehen – wieso? Um Gott nicht zu verprellen (1.Korinther 10:5) – man würde das Wohlgefallen Gottes verlieren so wie einige der Israeliten, die götzendienerische Handlungen begingen.

        Ich schlussfolgere dass in Apostelgeschichte 15:29 tatsächlich von einer Handlung des Götzendienstes die Rede war, und limitiere damit den Ausdruck „Götzenopfer“ nicht auf das Götzenopferfleisch, sondern auf jedwede Handlung die dem Zweck dient Götzendienst zu betreiben. Dieser Begriff von Götzenopfer (εἰδωλόθυτόν) findet man sowohl in 1. Korinther 8:7 als auch in 1. Korinther 10:19, aber 1. Korinther 10:18-22 verbinden Bibelforscher komischerweise kaum mit Apostelgeschichte 15:29.

        Was wenn Christen sich nicht an die heilsnotwendigen Gebote aus Apostelgeschichte 15:29 halten? Paulus gab darauf eine klare Antwort:

        1. Korinther 6:9,10
        Was? Wißt ihr nicht, daß Ungerechte das Königreich Gottes nicht erben werden? Laßt euch nicht irreführen. Weder Hurer noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Männer, die für unnatürliche Zwecke gehalten werden, noch Männer, die bei männlichen Personen liegen, noch Diebe, noch Habgierige, noch Trunkenbolde, noch Schmäher, noch Erpresser werden Gottes Königreich erben.

        Nebenbei bemerkt, wurden einige dieser sündhaften Handlungen (darunter auch Götzendienst und Dinge die unter Unzucht fielen) im mosaischen Gesetz mit Tod bestraft – Paulus bestätigte durch seine Aussage in 1.Korinther 6:9,10 und 1.Korinther 10:18-22 dass sich Gottes Sichtweise dahingehend nicht verändert hätte und solche Sünden, sofern man sie nicht bereut und lässt, jeden Christen unweigerlich um die Segnungen von Gottes Königreich bringen würde (Hebräer 10:26-29).

        Du sagtest:

        Ähnlich wie beim Thema Errettung sind wir bei einer entweder-oder-Frage angelangt. (Wurden wir durch Gnade errettet, d.h. nicht aufgrund von Werken? Oder erfahren wir die Gnade nur aufgrund unserer Glaubenswerke, weshalb uns dann nicht Gnade allein, sondern doch wieder Werke gerettet hätten? Ein sowohl-als-auch scheint in Fragen wie diesen nicht möglich zu sein.)

        Ich werde das nicht weiter besprechen, da HGP das schon behandelt hat, und ich es nicht besser beschreiben könnte und mit Ihm einer Meinung bin.

        Aber hey – tatsächlich gilt die Freiheit zu entscheiden welche Interpretation richtig ist. Diese Entscheidung müssen wir dann schlussendlich vor Gott verantworten: er weiß am besten wie er diese Dinge meinte als er seine Diener zu diesen Aussagen inspirierte.

        Alles Gute
        fossilisus

  4. Das Blutverbot in der Verbotsklausel, was in der Apostelgeschichte erwähnt wird, bezieht sich auf Tierblut. Wenn das Führungsgremium der WTG Bluttransfusionen verbietet, geht sie „über das hinaus, was geschrieben steht“….Die Bibel verbietet auch nicht das feiern von Geburtstag, auch wenn die Feier in der Bibel durch 2 Begebenheiten negativ erwähnt werden. Wäre dies Paulus wichtig gewesen, dann hätte er dies in der Verbotsklausel mit aufgenommen. Im Gegenteil: Kol 2:16 besagt eindeutig, dass niemand gerichtet werden darf, hinsichtlich das Feiern eines Festes etc…“ Als ZJ wird man exkommuniziert, wenn man für sich selbst entscheidet, seinen Geburtstag zu „feiern“…Stimmt doch,oder? Das eigene christliche Gewissen zählt nicht, wenn es gegen das Regelwerk der WTG verstößt, nicht wahr?

    • Hi Christ,
      Danke für deinen Kommentar. Wie kommst Du (und viele andere die nicht mit dem Kerngedanken aus Apostelgeschichte 15:20,29 einverstanden sind) darauf, Zeugen Jehovas würden dabei „über das hinausgehen, was geschrieben steht“?
      Es gibt für diese klare Aussage einfach keinen Interpretationsspielraum – deswegen nehmen ZJ diese Anordnung so wie sie da steht – sie enthalten sich des Blutes, egal von welchem Lebewesen es stammt.
      Wenn es sich ausschließlich um den Verzehr vom Tierblut handeln würde, hätte man wohl kaum „Erwürgtes“ (oder nicht ausgeblutetes Fleisch) separat erwähnt.

      Ich gehe sogar einen Schritt weiter und drehe deine Anschuldigung um: Derjenige der aus dem allgemeinem Ausdruck für „Blut“ = „ausschließlich Tierblut“ macht, ist derjenige der „über das hinausgeht, was geschrieben steht“.

      Was Geburtstage anbelangt, was wissen wir darüber laut der Bibel?
      Die beiden Begebenheiten in denen Geburtstagsfeiern erwähnt werden: Wer feierte dort? Waren es Leute, die den Gott der Bibel anbeteten?
      Gibt es irgendeinen Hinweis darauf dass Juden oder Christen zu biblischen Zeiten Geburtstage feierten?
      Feierte Jesus seinen Geburtstag?

      Mein Blogbeitrag enthält einen Auszug aus einem Wikipedia-Artikel über die Herkunft von Ritualen in Verbindung mit Geburtstagsfeiern. Es ist also klar dass der Brauch spiritistischen Ursprungs ist (wenngleich heute kaum jemand aus diesen Gründen Geburtstag feiert). Was sagt die Bibel über spiritistische Bräuche?

      Kolosser 2:16 handelt im Kontext betrachtet, nicht davon dass Christen „nicht gerichtet werden dürfen, hinsichtlich des Feierns eines Festes“, womit hier jüdische Feste gemeint sind. Schließlich geht es im Kolosserbrief hauptsächlich darum, jüdischen Bräuchen Ade zu sagen, da sie für Christen nicht länger notwendig sind um Gottes Anerkennung zu erlangen.
      Einige, die nicht länger an solchen Bräuchen teilnahmen wurden von anderen gerichtet… darum ging es in diesem Bibeltext, und nicht etwa um einen Freibrief sich an Bräuchen spiritistischen Ursprungs beteiligen zu können.

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