“Leitende Körperschaft” = biblisch?

Nein, den Begriff “Leitende Körperschaft” findet man nirgends in der Bibel – es kann ihn auch nicht gegeben haben, denn es ist eher ein neuzeitlicher Begriff. Ebenso ein beschreibender: „Leitend“ beschreibt eine führende Aktivität, und „Körperschaft“ wird im Duden wie folgt definiert: einem bestimmten Zweck dienender Zusammenschluss von Personen …, der hoheitliche Befugnisse hat.

Erst einmal sei festzustellen, dass es eine Fülle an Beweisen gibt dass Jesus einer Gruppe von Menschen Befugnis zur Leitung der Gemeinde/Kirche gab.

Die Macht autoritative Entscheidungen zu fällen – „binden und lösen“ wurde zuerst der kleinen Gruppe von Aposteln gegeben (Matth 18:15).

Jesus erwähnte dass er einen „Sklaven“ als „Verwalter“ einsetzen würde, der Autorität „über“ die Dienerschaft haben würde (Lukas 12:42; Matth 24:45). In den ersten 6 Kapiteln der Apostelgeschichte, treten die Apostel zusammen als führende Persönlichkeiten der Versammlung auf.  Sie hatten ein „Aufseheramt“; ein „Apostelamt“ das die Gemeinde veranlasste in den Lehren dieser Gruppe zu „verharren“ (Apostelgeschichte 1:20,25,26; 2:14, 37, 42, 43; 4:35,37; 5:2; 6:2-6).

Der Bericht in Apostelgeschichte 6:2-6 und 8:5,14-17 sagt uns dann, dass die Apostel ebenso anderen Personen leitende Positionen und Autorität zuteilten: „So seht euch nun um, Brüder, nach sieben Männern unter euch, von gutem Zeugnis, voll Geist und Weisheit, die wir über diese Aufgabe setzen wollen!“

Diese eingesetzten Männer konnten allerdings nicht völlig eigenständig agieren; sie berichteten an die Apostel, und bekamen von den Leitenden Brüdern die nötige Autorität um ihre Aufgabe durchzuführen (Apostelgeschichte 8:5, 14-17; 21:18-19).

Der Bericht in Apostelgeschichte 15 zeigt eindeutig dass die einzelnen Versammlungen nicht unabhängig voneinander Glaubenslehren aufstellen konnten, sondern nach Jerusalem gingen um eine Entscheidung von den dortigen „Aposteln und älteren Männern“ zu erwirken, die für alle Christen Gültigkeit haben sollte.

Die Körperschaft von Aposteln und älteren Männern (Paulus gehörte dazu), gingen weiter als die eigentliche Frage der Beschneidung, und erstellten gemeinsam eine allumfassende Regel (griechisch: dogmata) bezüglich des christlichen Glaubens im Zusammenhang mit dem mosaischen Gesetz, und setzten autoritative Repräsentanten ein (Apostelgeschichte 15:25), die in alle Versammlungen reisen sollten, um allen Christen die von den „Aposteln und Älteren Männern“ bestimmten Verordnungen zu überbringen.

„Als sie aber die Städte durchzogen, teilten sie ihnen zur Befolgung die Beschlüsse mit, die von den Aposteln und Ältesten in Jerusalem festgesetzt waren.“ (Apostelgeschichte 16:4; Johannes 13:16)

Die Anwendung dieser “Beschlüsse” war weder optional, noch sollten sie von lokalen Ältestenschaften genehmigt werden müssen – die „Beschlüsse“ waren bindend! (Apg 2:42; Judas 17; 1ko 1:10; Rö 16:17). Diejenigen die „Aufseher“ innerhalb der Christenversammlung waren, wurden „ernannt“, um den Versammlungen „vorzustehen“, sie zu „hüten“, „ermahnen“, „zurechtzuweisen“ und wenn nötig „abzuweisen“ und aus der Versammlung auszuschließen (Apg 20:28; 1Th 4:1,2; 1Th 5:12; Tit 1:5; 1Ti 5:17; 2Th 3:14; 1Tim.1:3; Tit. 1:13; 3:10,11).

Offensichtlich, entsprang also jede gegebene Autorität innerhalb der Christenversammlung des ersten Jahrhunderts, aus einer zentralen, vom heiligen Geist gesalbten Gruppe von Menschen – einer Leitenden Körperschaft. Es gab also eine organisatorische Autorität in der Christenversammlung (Apg.14:23; Eph.4:11-13; 1Kor.12:18-31; Tit 1:5,9).

Haben die Zeugen Jehovas den Begriff “Leitende Körperschaft“ (engl. „governing body“) erfunden?

Nein – der Begriff kommt in einigen Kommentaren von Bibelgelehrten, vor die keine Zeugen Jehovas sind und das schon lange bevor Zeugen Jehovas diesen Begriff überhaupt benutzten:

http://biblehub.com/commentaries/acts/15-2.htm

Cambridge Bible for Schools and Colleges

Apostles and elders: Peter, John, and James we find were now at Jerusalem, and these seem, from other notices in the N. T. (Galatians 1:18-19; Galatians 2:9), to have been the Apostles who continued to live in the holy city. These with the elders appear now as the governing body of the infant church. And Jerusalem was for the Jew, until its destruction, the place of chief authority (cp. Isaiah 2:3).

Pulpit Commentary

Apostles and elders: This phrase marks the constitution of the governing part of the Church of Jerusalem. The addition in vers. 22 and 23 of „the whole Church,“ and (according to the T.R.) of „the brethren,“ shows the part the body of the believers had in approving and sanctioning the decisions of the elders. The transaction marks the position of the Church of Jerusalem as the metropolitan Church of Christendom.

Die Organisation der Zeugen Jehovas folgt dem Muster der in der Bibel beschriebenen Christenversammlung (eine 1-zu-1 Kopie ist nicht möglich wie ich später kurz begründen möchte):

  • Eine „Leitende Körperschaft“ von geistig erfahrenen Männern die die Aufsicht über das weltweite Predigtwerk haben (Apg.15:2,6,7,22-31; 16:4,5; 8:14; Gal 2:9)
  • Jede einzelne Versammlung wird von einer Gruppe geistig reifer Männer geleitet die entweder „Älteste“ (PRESBYTER), „Aufseher“ (EPISKOPOS) oder „Dienstamtgehilfen“ (DIAKONOUS) sind. (1Tim.3:1-13; Tit.1:5-9; 1Pt 5:2,3)

Jede Religion, die diesem Muster nicht folgt, kann nicht wirklich christlich sein.

Allerdings sehen Zeugen Jehovas weder die „Wachtturmgesellschaft“ noch die Leitende Körperschaft als finale, endgültige Autorität an.

ZJ glauben dass die Bibel die letzte Autorität in Glaubenslehren ist, und dass diese Glaubenslehren weder von Einzelpersonen, noch von Organisationen überboten werden kann (it-1 s. 1228-1229).

Die Leitende Körperschaft möchte nicht im Mittelpunkt stehen – sie erwartet von jedem Zeugen Jehovas, Glaubenslehren anhand der Bibel zu überprüfen, und sich beim Lehren niemals auf die Leitende Körperschaft, sondern sich alleine auf Gottes Wort, die Bibel zu berufen! Die Bibel allein ist die ultimative Quelle für Glaubensfragen!

So wie in der Christenversammlung des ersten Jahrhunderts, werden Entscheidungen von diesen Ältesten nicht willkürlich gefällt, sondern basieren auf Gottes Wort und der damit verbundenen Leitung des Heiligen Geistes. Jede Entscheidung sollte eine biblische Grundlage haben, die jeder selbst überprüfen kann. Die Loyalität zu diesen Lehrern der Christenversammlung, erfolgt aus persönlicher Überprüfung und Bestätigung, dass Ihre Entscheidungen NUR auf Gottes Wort gegründet sind.

Die einzige Autorität die Zeugen Jehovas in Christlichen Aufsehern anerkennen, ist die, die die heilige Schrift ihnen zugesteht. Jeder, der Zeugen Jehovas deswegen kritisiert, muss also auch die Apostel, die Christen des ersten Jahrhunderts, sowie die Bibel selbst kritisieren.

Alles wozu Zeugen Jehovas andere einladen, ist den eigenen Glauben kritisch im Licht der klar und eindeutigen Lehre der Bibel zu überprüfen, und wie diese Lehre zu den Werken der eigenen Religion und deren Mitglieder passt – und sich daraufhin zu entscheiden Jesus Christus so genau wie möglich zu folgen (Röm 10:1-3; Eph 1:17).

Wie lässt sich die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas heute von Jehova Gott und Jesus Christus in allen Belangen leiten?

Unnötig zu sagen, dass Zeugen Jehovas tatsächlich versuchen, ein kompatibles Muster der Leitung zu etablieren, die es im ersten Jahrhundert gab. Gibt es überall genaue Parallelen? Nein. Die Leitende Körperschaft hat keine Wundergaben, ist nicht inspiriert, kann nicht in Zungen reden, und hat auch sonst keine äußerlich direkt erkennbaren Zeichen, dass man sie als vom heiligen Geist geleitet wahrnehmen könnte. Sie erhalten auch keine Offenbarungen oder Visionen, wie einige der Apostel im ersten Jahrhundert (1. Kor 13:8).

Weder die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas, noch die Ältesten in der jeweiligen Versammlung „diktieren Richtlinien und Theologie“ wie einige behaupten. Wie vorher erwähnt basiert jede Entscheidung auf den Heiligen Schriften als endgültige Autorität – oder Richtschnur im Fall von Richtlinien.

Die autoritative Organisation dient als Instrument „zur Einheit im Glauben und der genauen Erkenntnis des Sohnes Gottes“. Da sie sich ausschließlich auf die Bibel basiert, erbaut sie im christlichen Glauben, und legt Gottes Wort aus, mit daraus resultierenden allgemein gültigen Glaubenslehren (Eph 4:11-13; 2 Tim 3:16,17).

Der Sinn und Zweck dieser Leitung ist es, die Einheit zu wahren und dafür zu sorgen, dass „alle Dinge anständig und in Ordnung geschehen“ (1. Kor 14:40).

Kein Zeuge Jehovas glaubt dass die Leitende Körperschaft ein Herrscherrecht über seinen Glauben hätte. Unseren Glauben müssen wir selbst verwalten, und NUR wir selbst. Jede Person muss sich selbst seinen Glauben aufbauen, und seinen Glauben beweisen und rechtfertigen können.

Da sie sich eng an die Bibel hält und sich an Christi Beispiel orientiert, kann die Leitende Körperschaft die Worte Pauli in der eigenen Führung bestätigen: „Nicht dass wir Herren wären über euren Glauben, sondern wir sind Gehilfen eurer Freude; denn ihr steht im Glauben.“ (2. Kor 1:24 – Lutherbibel)

Jeder einzelne Zeuge trifft aus eigenem Willen persönliche Entscheidungen auf der Grundlage des von dem leitenden Organ angebotenen biblischen Rates, weil sein persönliches Studium der Bibel ihn davon überzeugt, dass dies der richtige Kurs ist (1 Thes 2:13).

Wenn es um Verfahrensweisen oder nicht-glaubenslehrende Entscheidungen geht, beobachtet der Verwaltungsrat Trends, untersucht Fragen und lässt sich von Biblischen Beweisen und Grundsätzen leiten, und trifft daraufhin dann Entscheidungen, die auf einem vereinten Verständnis der biblischen Gesetze und Prinzipien basieren. Christliche Erfahrung, die Leitung aus Gottes Wort und durch den Geist Jehovas, führt diese organisierten Christen zu theokratischen Schlussfolgerungen (1 Kor 4:1,2; Tit.1: 7-9).

Weil sie sich an theokratische Verfahrensweisen halten, die in Berichten wie Apostelgeschichte 15 vorgegeben sind, haben Zeugen Jehovas das größte Vertrauen in ihre organisatorischen Vorkehrungen. Und der bestätigende Beweis der Leitung durch Heiligen Geist ist unleugbar in der beispiellosen Einheit und dem Frieden, der unter den Zeugen Jehovas existiert.

Wir folgen nicht blind irgendeiner dahergelaufenen Organisation, aber wir erkennen diejenigen an, die Beweise für eine genaue biblische Lehre liefern. Es gibt in der Gemeinschaft genug Beweise dafür, das Zeugen Jehovas wahre Christen sind, indem sie sich streng an die biblische Wahrheit halten, und die daraus resultierenden Früchte hervorbringen (Matth 7:16-19; Joh 13:34, 35).

6 Gedanken zu ““Leitende Körperschaft” = biblisch?

  1. Lieber „Fossilisus“,

    erst einmal möchte ich mich für deine sehr interessanten Beiträge hier bedanken. Ich lese sie nun schon seit einiger Zeit mit Interesse, und da ich mich aus verschiedenen Gründen sowieso momentan ausführlich mit den Zeugen Jehovas beschäftige (muss), sind sie mir sehr vom Nutzen.

    Deine Erläuterungen zur leitenden Körperschaft kann ich im großen und ganzen nachvollziehen, auch wenn ich sie nicht teile (das auszuführen, würde aber hier den Umfang sprengen). Es gibt allerdings eines, was ich an den Zeugen Jehovas kritisieren möchte. Wieso fordert der „treue und verständige Sklave“ auf, die Bibel nicht selbst auszulegen und beansprucht, der alleinige Mitteilungskanal zu sein? Im Wachtturm (Studienausgabe) vom November 2016 lese ich beispielsweise auf Seite 16 (Absatz 9):

    „Es gibt Personen, die denken, sie könnten die Bibel selbst auslegen. Doch Jesus hat einzig und allein den treuen Sklaven zur Austeilung der geistigen Speise eingesetzt. Seit 1919 gebraucht der verherrlichte Jesus Christus diesen Sklaven, um seinen Nachfolgern zu helfen, die Bibel zu verstehen und ihre Anweisungen zu beachten. Gehorchen wir biblischen Anweisungen, tragen wir zu Reinheit, Frieden und Einheit in der Versammlung bei. Fragen wir uns: Stehe ich loyal zu dem treuen Sklaven, den Jesus heute als Mitteilungskanal gebraucht?“

    Das steht für mich konträr zur Einstellung der edlen Beröer, welche alle Aussagen anhand der Schrift überprüften und selbst nachforschten (vgl. Apg. 17,11). Angenommen, die Leitende Körperschaft in Warwick wäre wirklich (ein Teil) des Mitteilungskanals. Dann bräuchte sie laut Bibel aber genauso Überprüfung und Korrektur wie alle anderen Gläubigen auch. Wenn nun diese Gruppe eigenständige Nachforschungen verbietet (und Auslegung ist ja eine Form von Nachforschen, in dem Moment, wo ich über die Bibel nachdenke, lege ich sie ja automatisch aus) macht sie sich in meinen Augen unglaubwürdig. Damit ist sie nicht besser als das Papsttum, der Mormonenprophet oder der neuapostolische Stammapostel, welche alle ebenfalls solches für sich beanspruchen.

    Mich würde deine Erwiderung darauf sehr interessieren, vielleicht bin ich auch einfach falsch informiert. Horizonterweitung ist immer gut. Und nur um das klarzustellen: Ich sehe auch nicht alles an eurer Glaubensgemeinschaft als schlecht an 🙂

    Vielen Dank!

    • Hi,

      Ich bin gewillt auf deine Frage einzugehen. Du hast recht mit den Beröern – was taten sie aber wirklich? Die Beröer „nahmen das Wort mit der größten Bereitwilligkeit auf, indem sie täglich in den Schriften sorgfältig forschten, ob sich diese Dinge so verhielten.“ Wessen Wort nahmen sie mit Bereitwillikeit auf? Apg 17:13 sagt: „Das Wort Gottes das von Paulus gepredigt wurde“.
      Das was Paulus ihnen mitteilte war neu für sie. Die Beröer waren nicht überkritisch dass sie Paulus sofort abgeschmettert hätten, noch waren sie leichtgläubig und nahmen jedes Wort ohne weitere Überprüfung hin. Ein Zeuge Jehova tut gut daran die gleiche „edle Gesinnung“ zu haben wie die Beröer, und die Aussagen in den Veröffentlichungen von Zeugen Jehovas ebenso im Lichte der Bibel zu überprüfen. Dabei ist allerdings weder eine überkritische Einstellung hilfreich, noch sollte man blind alles glauben was dort gesagt wird. Dazu regen Zeugen Jehovas auch in ihren Veröffentlichungen an. Im „Zeugnis ablegen“-Buch (auf http://www.jw.org zu finden) steht auf S. 138 in Absatz 17:

      Dazu möchten auch wir die Menschen animieren: dass sie alles genau in der Bibel nachprüfen, damit sich ihr Glaube auf Gottes Wort aufbauen und somit auf festen Füßen stehen kann. Ist so eine Gesinnung aber auch noch gefragt, wenn man erst einmal getauft ist? Auf alle Fälle! Dann ist es sogar noch wichtiger, dass wir alles aufsaugen, was Jehova uns sagen möchte, und es dann auch prompt anwenden.

      Nächstes kleines Detail – wo sollte ich nachprüfen? In der Bibel, und nur in der Bibel. Natürlich kann man sich Konkordanzen und Bibellexika mit zu Hilfe nehmen. Aber weder Veröffentlichungen und Beiträge von Gegnern, noch von Apologeten sind für die eigene neutrale wahrheitsfindung hilfreich. Sobald man nach eingehender Überprüfung anhand der Bibel das nötige Vertrauen in die Veröffentlichungen von Zeugen Jehovas hat, versteht es sich natürlich von selbst dass man auch diese zu Rate zieht.

      Was aber, wenn ich als Zeuge Jehova etwas überprüfe, und ich gelange zu einer anderen Schlussfolgerung wie die Veröffentlichung? Das kann durchaus vorkommen!

      Entweder, man ist demütig, und gesteht sich ein dass man genau so wie diejenigen die die Aussage veröffentlicht haben, sich geirrt haben kann. Da Zeugen Jehovas glauben, das sich ihr Verständnis mit der Zeit und Hilfe des heiligen Geistes verfeinert, kommt die Leitung von selbst drauf dass sie etwas korrigieren müssen… ich glaube Gott kann das schon bewirken. Im Wachtturm vom Februar 2017 S.26 Abs.9 sagt die Leitende Körperschaft von sich selbst:

      Die leitende Körperschaft ist weder von Gott inspiriert noch unfehlbar. Aus diesem Grund kann sie sich in Lehrfragen oder in organisatorischen Anweisungen irren. Der Index der Wachtturm-Publikationen enthält sogar das Stichwort „Glaubensansichten klargestellt“, wo Veränderungen in unserem biblischen Verständnis seit 1870 aufgelistet werden. Hat Jesus gesagt, sein treuer Sklave würde für vollkommene geistige Speise sorgen? Nein.

      Also bei mir persönlich, weckt diese Selbsteinschätzung Vertrauen. Ebenso glaube ich dass Gott auch mir helfen kann, eine mir unklare Erklärung aus der Bibel mit der Zeit klarer zu verstehen, unter der Bedingung, dass ich wie die Beröer sorgfältig nachforsche, und mir nicht nur das herauspicke was in mein eigenes Glaubensbild passt. Demut ist eine unverzichtbare Eigenschaft, wenn man der Wahrheit fündig werden möchte.

      Für unchristlich halte ich es jedoch stolz zu sein, sich schlauer als alle anderen zu halten, zu meutern und zu motzen, nur weil man einen Punkt anders versteht als es diejenigen tun, die man dadurch dass man sich als Zeuge Jehovas hat taufen lassen, als den „treuen und verständigen Sklaven“ anerkannte. Paulus warnte ausdrücklich vor solch einer Gesinnung (Galater 1:7-9)

  2. Jesus Christus war von 29-33 n. Chr. der Vertreter Jehovas in Israel. Er wusste, dass seine Anhänger nach seinem Tod Führung brauchen würden, und es war der heilige Geist, der seine Anhänger leiten würde. Jesus sagte: Der Beistand (paraklētos) aber, der heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch ins Gedächtnis zurückrufen alles, was ich euch gesagt habe. (Johannes 14:26, NWT13) Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen den Gemeinden im ersten Jahrhundert und den heutigen Gemeinden. Im ersten Jahrhundert war die Bibel nicht vollständig, und deshalb war der Heilige Geist auf eine ganz andere Weise aktiv als heute. Einzelne Christen empfingen geistliche Gaben, einschließlich wundersamer Erkenntnisse. (1. Korinther 12,1-11) Die Apostelgeschichte berichtet, dass Propheten von Jerusalem nach Antiochia hinabkamen. (Apostelgeschichte 11,27) Es heißt auch, dass es in der Gemeinde in Antiochia Propheten und Lehrer gab. (Apostelgeschichte 13,1) Judas und Silas, die Propheten waren, ermutigten die Brüder. (Apostelgeschichte 15,32) Philippus aus Cäsarea hatte vier Töchter, die prophezeiten. (Apostelgeschichte 21,9) Einmal kam der Prophet Agabus aus Judäa zu Paulus herab. (Apostelgeschichte 21,10) Alle diese Propheten sprachen Worte, die von Gott inspiriert waren. Wie ich oben gezeigt habe, übernahmen die Apostel, die Jesus auserwählt hatte, die Führung unter denen, die an Jehova und seinen Sohn, Jesus Christus, glaubten. Apostelgeschichte 2,42 berichtet, dass die Gläubigen „sich der Lehre der Apostel hingaben.“ Apostelgeschichte 4:34, 35 erzählt von Geldspenden, die „zu den Füßen der Apostel“ deponiert wurden. Zu einer bestimmten Zeit wurden sieben Männer für die tägliche Verteilung an die Bedürftigen ausgewählt. Diese Männer wurden vor die Apostel gestellt, die sie für ihre Arbeit einsetzten. (Apostelgeschichte 6,6) Als die Menschen in Samaria das Wort Gottes annahmen, sandten die Apostel in Jerusalem Petrus und Johannes, um ihnen zu helfen. (Apostelgeschichte 8,14) Als es Uneinigkeit und Streit über eine wichtige Lehre gab, wurden Paulus und Barnabas nach Jerusalem geschickt, um die Angelegenheit vor die Apostel und die Ältesten zu bringen. (Apostelgeschichte 15,2) Als die Angelegenheit geklärt war, wurde ein Brief von den Aposteln und den Ältesten an die Gemeinden gesandt. (Apg 15,23) Paulus und Silas reisten zu verschiedenen Gemeinden und baten die Mitglieder der Gemeinden, „die Anordnungen zu befolgen, die von den Aposteln und den Ältesten, die in Jerusalem waren, beschlossen worden waren.“ (Apostelgeschichte 16,4) Aufgrund der oben zitierten Texte ist klar, dass zuerst die Apostel und später die Apostel und die Ältesten in Jerusalem die Führung unter den Nachfolgern Jesu übernahmen. Als die Apostel tot waren, übernahmen die Ältesten die Führung. Aber aufgrund der ganzen Situation, der Visionen, die sowohl er als auch Kornelius gesehen hatten, und den Engeln, die zu beiden gesprochen hatten, zog er die einzige Schlussfolgerung, die ein geistlich gesinnter Diener Gottes ziehen konnte: Er musste die gute Er musste diesen Menschen aus den Nationen die gute Nachricht vom Königreich verkünden (V. 34-43). Diese war die Richtung, weil der Geist die Situation auf eine Weise manövriert hatte, die Petrus helfen würde, die richtige Schlussfolgerung zu ziehen. Wir müssen uns daran erinnern, dass das, was Petrus tat – in das Haus von Menschen aus den Nationen einzudringen und ihnen zu predigen war beispiellos, weil es vorher noch nicht geschehen war. Und dann, während Petrus sprach, fiel der heilige Geist auf die, die Petrus‘ Rede hörten Rede des Petrus hörten, und sie redeten in Zungen (V. 44-46). Das war Inspiration. Und wie reagierte Petrus? Er zog die einzige Schlussfolgerung, die ein geistlich gesinnter Diener Gottes ziehen konnte: Weil diese Menschen den den heiligen Geist empfangen hatten, sollten sie sich taufen lassen (V. 47, 48). Dies war eine Richtung, und die Taufe von Menschen aus den Nationen war auch etwas noch nie Dagewesenes. Wir sehen in diesem Bericht, dass der Geist, durch vier Beispiele der Inspiration die Situation manövriert hat, sodass Petrus dreimal angewiesen wurde, bestimmte bestimmte Schlussfolgerungen zu ziehen. Dadurch wurden die Menschen aus den Nationen zum ersten Mal zu Mitgliedern des Volkes Gottes.

    Der Heilige Geist leitete die Gemeinden durch die Hilfe von Inspiration und Leitung. Keine Menschen leiteten die anderen Christen.

    • Hallo Pierre,

      Danke für deine ausführliche Erklärung. Ich finde alles richtig was Du geschrieben hast – auch den letzten Satz.
      Nur für sich alleine kann ich es nicht so stehen lassen. Als Paulus an die Christen in der Stadt Korinth schrieb, von denen manche offensichtlich in Zungen reden konnten, erklärte er, dass „Zungen zu einem Zeichen … für die Ungläubigen“ waren (1. Korinther 14:22). Zusammen mit anderen Wundergaben war das Zungenreden also ein Hinweis darauf, dass die neu gegründete Christenversammlung oder -gemeinde von Gott anerkannt und unterstützt wurde. Die Geistesgaben waren wie ein Hinweisschild. Sie führten Wahrheitssucher zu Gottes auserwähltem Volk.

      Bedeutsamerweise erwähnt die Bibel nichts davon, dass Jesus oder die vorchristlichen Propheten durch ein Wunder in verschiedenen Zungen redeten. Demzufolge muss das Zungenreden bei den Jüngern Jesu noch einen zusätzlichen Zweck erfüllt haben. Im 1. Jahrhundert bestätigten die Wundergaben des Geistes, auch die Fähigkeit, ‘in Zungen zu reden’, daß Gott seine Gunst dem jüdischen Religionssystem entzogen und der neugegründeten Christenversammlung zugewandt hatte (Heb. 2:2-4). Die Fähigkeit des Zungenredens brachte damals das internationale Zeugniswerk, mit dem Jesus seine Nachfolger betraut hatte, in Schwung (Apg. 1:8; 2:1-11; Mat. 28:19).
      Heute gibt es keine solchen Wundergaben des Geistes mehr. Es gibt übrigens keine gesicherten Aufzeichnungen darüber, dass nach dem Tod der Apostel irgendjemand diese Gabe des heiligen Geistes erhalten hätte. Das dürfte einen Bibelleser allerdings nicht überraschen. Über die Geistesgaben, zu denen das Zungenreden gehört, sagte der Apostel Paulus: „Sie werden aufhören“ (1. Korinther 13:8).

      Auch wenn Zungenreden vom heiligen Geist inspiriert war, so gab Paulus diese eindeutige Warnung: „Doch selbst wenn jemand von uns oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas anderes als gute Botschaft verkünden sollte als das, was wir euch als gute Botschaft verkündet haben – er soll verflucht sein.“ (Galater 1:8)

      Zungenreden war eine Geistesgabe um im ersten Jahrhundert wahre Christen kenntlich zu machen, und für den Zuhörenden der die Sprache verstand, war die Botschaft klar – sie ging jedoch NIE über das hinaus was bereits von den Aposteln und älteren Männern als gute Botschaft verkündet worden war.

      Wie in meinem Artikel beschrieben kann man die Christenversammlung von damals nicht 100-prozentig mit der Christenversammlung von heute gleichstellen. Wie sollte man wahre Christen heute erkennen, wenn es keine Wundergaben mehr gibt die es eindeutig machen?

      Kurz vor seinem Tod nannte Jesus ein bleibendes Kennzeichen, durch das man seine wahren Nachfolger identifizieren könnte. Er sagte: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe unter euch habt“ (Johannes 13:35). Interessanterweise steht in demselben Vers, in dem angekündigt wird, dass die Wundergaben aufhören werden: „Die Liebe versagt nie“ (1. Korinther 13:8).

      Unter den neun Bestandteilen der „Frucht“ des heiligen Geistes Gottes steht die Liebe an erster Stelle (Galater 5:22, 23). Somit würden sich alle, die wirklich Gottes Geist — also seine Unterstützung — haben, durch echte Liebe auszeichnen. Der dritte Bestandteil der Frucht des Geistes ist übrigens Frieden. Daher müssten diejenigen, die heute über den heiligen Geist verfügen, den Frieden fördern und sich deutlich von Fanatismus, Rassismus und Gewalt distanzieren.

      Nun noch einmal zu Apostelgeschichte 1:8. Jesus sagte ja voraus, dass seine Jünger Kraft empfangen würden, um „bis zum entferntesten Teil der Erde“ Zeugen von ihm zu sein. Das würde so weitergehen, „bis das Ende dieser Welt gekommen ist“ (Matthäus 28:20, Hoffnung für alle). Folglich sollte das weltweite Predigen bis heute ein Kennzeichen derer sein, die wirklich die Kraft des heiligen Geistes empfangen haben.

      Hinter wem steht der heilige Geist heute? Welche Personengruppe entfaltet die Frucht dieses Geistes — besonders Liebe und Frieden — so konsequent, dass sie sich weigert Waffen zu tragen, selbst wenn das staatliche Repressalien zur Folge hat? (Jesaja 2:4). Welche Gruppe kämpft bewusst gegen die Werke des Fleisches wie sexuelle Unmoral und entfernt reuelose Sünder sogar aus ihrer Mitte? (1. Korinther 5:11-13). Wer predigt rund um den Globus die gute Botschaft von Gottes Reich, der einzigen Hoffnung für uns Menschen? (Matthäus 24:14).

  3. Okay, jetzt bin ich doch überzeugt und ich muss doch eingestehen, dass es einige Christen geben sollte, die andere Christen leiten sollten. Wenn man nämlich Hebräer 13:7, 17 in der alten, nicht revidierten Neuen-Welt-Übersetzung aufschlägt, steht dort:

    „Gedenkt derer, die unter euch die Führung übernehmen,* die das Wort Gottes zu euch geredet haben, und während ihr den Ausgang [ihres] Wandels genau betrachtet, ahmt [ihren] Glauben nach. (…) Gehorcht denen, die unter euch die Führung übernehmen,* und seid unterwürfig, denn sie wachen beständig über eure Seelen als solche, die Rechenschaft ablegen werden, damit sie dies mit Freude und nicht mit Seufzen tun mögen, denn das wäre euch zum Schaden.“

    In den Fußnoten zu den Texten heißt es dann:

    „Od.: „eure Leiter sind“. Gr.: hēgouménōn hymṓn. Siehe Mat 2:6, Fn. („Statthaltern“).“

    Was ist aber der eigentliche Unterschied zwischen einem römischen Statthalter und einem römischen Kaiser?

    • Naja – wie bei so vielem erschließt sich die genaue Bedeutung aus dem Kontext. Es geht ja hier mit dem grieschichen Ausdruck „hégeomai“ um das „Amt der Leitung bzw. Führung“ (siehe Strong‘s Greek 2233) – in Matth 2:6 im Kontext einer Stadt (Judäa), und in Hebräer im Kontext der Christlichen Gemeinde. Geh also nicht zu weit suchen wenn die volle Bedeutung sich aus dem direkten Kontext erschließen lässt.

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