Sichtweisen: Ablauf der Gedächtnismahlfeier

Mir ist in letzter Zeit beim Beschäftigen mit kritischen Texten (von Leuten die sich auch Zeugen Jehovas nennen) folgendes aufgefallen:

Man scheint sich, wenn es darum geht an seinen Mitbrüdern Kritik zu üben, fast vorwiegend an die griechischen Schriften zu halten.

Beispiele solcher Kritik findet man hauptsächlich in:

  • Der Exkommunikationspraxis der ZJ
  • Dem Vollblut-Transfusionsverbot
  • Dem „stillen Beobachten“ des Gedächtnismahls

Will man herausfinden, was „der vollkommene und annehmbare Wille Gottes ist“, so geht auch kein Weg an den hebräischen Schriften vorbei!

Wieso?

Einige biblische Aussagen sollten beim folgenden Betrachten von äusserster Wichtigkeit sein – man sollte Sie immer im Hinterkopf behalten wenn es darum geht den Willen Gottes herauszufinden:

  • Gott ändert sich nicht (Jakobus 1:17; Maleachi 3:6)
  • Selbst für Christen im ersten Jahrhundert waren die hebräischen Schriften selbst nach Jesu Tod, und der Ausschüttung des heiligen Geistes, immer noch von höchster Wichtigkeit (Römer 15:4)
  • Die GANZE Schrift (die hebräischen Schriften eingeschlossen) ist von Gott inspiriert, und „nützlich zum Lehren, [und] zum Richtigstellen der Dinge“. (2. Timotheus 3:16)

Weil das Thema im Hinblick auf die jährliche Gedächtnismahlfeier welche Zeugen Jehovas jedes Jahr feiern immer wieder aktuell ist, will ich mich an dieser Stelle damit beschäftigen, ob es überhaupt biblisch begründet ist als „stiller Beobachter“ der Gedächnismahlfeier beizuwohnen. Für die meisten Zeugen Jehovas ist das natürlich eine wichtige Sache – sind sie es ja so gelehrt worden.

Kritiker behaupten aber, dass dieses stille „Beobachten“ im Grunde genommen bedeute ein „eindeutiges“ Gebot Jesu zu ignorieren, nämlich dass man von den Symbolen essen und trinken sollte  (1. Korinther 11:23-25). ZJ wurden gelehrt, das dieses Gebot nur dem „Überrest der Gesalbten“ gelte die derzeit noch auf der Erde leben, da sie Teilhaber des königlichen Bundes mit Jesus Christus seien. Da ZJ die sich selbst nicht zu diesen Gesalbten zählen, sich nicht in diesem königlichen Bund befinden, jedoch gerne Untertanen dieses Königreiches sind, beobachten sie nur wie der „gesalbte Überrest“ sich an Jesu Gebot halten.

Kritiker behaupten jedoch, dass aussnahmlos jeder Christ verpflichtet ist, Jesu Gebot, am Gedächnismahl aktiv teilzunehmen (und somit von den Symbolen zu Essen und zu Trinken), zu befolgen. Würde man sich als ZJ daran halten, würde man zeigen das man Jesus dem Herrn mehr gehorche als dieser menschlichen „WTG“!

Was ist denn nun richtig? Sollte man als Christ von den Symbolen nehmen, oder weiter als stiller Beobachter die Symbole einfach weiterreichen?

Wie lief das Abendmahl Jesu und seiner Apostel ab?

Ein Aspekt den ich interessant finde ist der, dass nachdem Jesus das Abendmahl zum Passah mit seinen Apostel zu sich genommen hatte, er Judas Iskariot rausschickte, bevor er die Symbole zur Gedenkfeier seines Opfertodes rumreichte (Johannes 13:30). Das Essen und Trinken der Symbole hätte wohl einen Bund mit diesem Verräter bedeutet – an diesem Bund hätte Jesus Ihn in seiner Gerechtigkeit wohl unmöglich Teilhaber werden lassen können.

Dies wiederrum bedeutet, dass man, um rechtmäßig von den Symbolen nehmen zu können, tatsächlich Vorraussetzungen erfüllen muss.

Ein weiterer Aspekt ist der, dass ausser den Aposteln mit denen Jesus diesen Bund fürs Königreich machte, niemand anderes bei dieser Feier zugegen war. Es hätte also wenig Sinn ergeben, dass Jesus ihnen erklärt hätte dass es andere Menschen geben würde die erst in einigen Jahrtausenden nur als Beobachter bei der Gedenkfeier dabei sein würden.

Bis jetzt haben wir die hebräischen Schriften noch völlig ausser acht gelassen, aber es zeigt sich jetzt schon, dass dieses Thema einiges an Detailarbeit voraussetzt, um beantworten zu können, wie man das Gedächnismahl als „nicht in den Königreichsbund aufgenommener“ begehen soll.

Parallelen zu den hebräischen Schriften

Wie den meisten bekannt sein dürfte, wurde das Gedächnismahl auf die Passahfeier gelegt, und das nicht ohne Grund – hatte dieses Datum auch für die Juden einen wertvollen symbolischen Charakter. Die Passahfeier wurde bei der Befreiung der Israeliten von der ägyptischen Sklaverei eingeführt, und wurde jährlich am 15. Nisan begangen. Am Vorabend (also dem 14. Nisan) wurde das Passahlamm vorbereitet und geschlachtet. Jesus starb ebenso als „Lamm Gottes“ am 14. Nisan (Johannes 1: 29). Während das Passah das Fest zur Befreiung aus ägyptischer Gefangenschaft war, stellte Jesus Tot die Befreiung von Sünde und Tod dar.

Man merkt also jetzt schon dass man noch einige Details zu den Parallelen aus den hebräischen Schriften ziehen kann – es wird nun interessant wenn man sich eingehender mit den Opfergaben der Juden befasst.

Herausstechen tut hier das sogenannte „Gemeinschaftsschlachtopfer“.  Laut dem Gesetzesbund, sollte von diesen Opfern die Priester etwas abbekommen (3. Mose 7:28-36). Diese Opfer waren gedacht um Gott etwas gutes zu tun – es wurde auch „Freundschaftsopfer“ genannt. Ein Jude musste dabei ein reines und fehlerloses Tier nehmen, und es in Gemeinschaft mit den Priestern am „Eingang des Zeltes der Zusammenkunft“ Gott darbringen (3. Mose 3:2). Teilhaber an diesem Opfer waren also der Opfernde selbst, die Priester, und natürlich Gott für den dieses Opfer zum Lobpreis und Wohlgefallen dargebracht wurde.

Von diesem Opfer essen durfte nur der Opfernde selbst und die Priester (sofern beide nach jüdichen Richtlinien rein waren). Und hier möchte ich nun eine Paralelle zur Gedenkfeier ziehen die Jesus am 14. Nisan 33 u.Z einführte. Darf ich das? Wenn ich Hebräer 10:1 ernst nehme, muss ich das sogar!

Welche Paralelle ziehe ich nun zur Gedächtnismahl? Nun da gibt es auch folgende Teilnehmer:

  • Der Opfernde (weil er sich selbst opferte) war Jesus Christus (Hebräer 9:11,12)
  • Die Priester, sind diejenigen die mit Jesus in den Königreichsbund aufgenommen wurden, und somit die Aussicht haben als Könige und Priester mit ihm zu regieren. (1. Petrus 2:9; Offenbarung 5:9.10)
  • Und natürlich Gott (Jesaja 43:21)

Nun stellt sich die Frage: Wie ist es mit denen die nicht Teilnehmer dieses Gemeinschaftsopfers oder Bundes mit Jesus Christus sind.

Hier mal ein Gedanke: Gab es zu der Zeit dieser Gedenkfeier Jesu zu 33 u.Z eigentlich bereits andere Leute die an Jesus Christus glaubten, und zu seinen Nachfolgern oder Jüngern gehörten?

Oh die gab es allerdings: Lukas 10:17 spricht von 70 Leuten die Jesus ausgesandt hatte um zu Predigen. Jesus heilte während seines irdischen Dienstes hunderte von Menschen, und predigte zu tausenden. Sicher hatte Jesus mehr als 11 treu ergebene Nachfolger. Apostelgeschichte 1:15 spricht von 120 Personen die die erste Christenversammlung darstellen sollten, und das nach etwas mehr als 40 Tagen nach Jesu Tod.

War jemand von diesen Personen (ausser den 11 Aposteln) zugegen als Jesus die Gedächtnismahlfeier einleutete? Nein. Nahm jemand von Ihnen von den Symbolen, als Jesus sie herumreichte? Nein!

Wieso nicht? Weil der Bund zu dem Zeitpunkt in dem Jesus die Feier einführte nicht ihnen galt! Und das obwohl alle von Ihnen höchstwahrscheinlich getauft waren (Johannes 3:22). Sie wurden erst Teilnehmer dieses Bundes für ein Königtum von Priestern nachdem sie zu Pfingsten 33 u.Z. mit heiligem Geist gesalbt wurden.

Jehovas Zeugen machen ebenso einen Unterschied, zwischen denen die in den Königreichs- und Priesterschaftsbund mit aufgenommen wurden (Offenbarung 14:1-3) , und denen die sich als Beobachter diesem Königreich unterstellen (Offenbarung 7:9,10).

Sowie damals Isrealiten beobachten konnten dass ein Gemeinschaftsschlachtopfer dargebracht wurde, zum Wohlgefallen Gottes, so gedenken ein Großteil der Jehovas Zeugen heute als Beobachter, dem Gemeinschaftsschlachtopfer das Jesus durch sich selbst darbrachte, in Gemeinschaft mit den von Gott auserwählten Menschen, die er in den Bund mit aufgenommen hat um als Könige und Priester zu regieren. Nur letztere haben laut dem Verständnis der Zeugen Jehovas das Recht von den Symbolen zu essen und zu trinken.

Das ist meine Sichtweise dieser Sache. Ich erhebe allerdings nicht den Anspruch in diesen Aufsatz jedes einzelne Detail zu diesem Thema mit ausgeführt zu haben – im Grunde genommen ist dies eine recht einfache Zusammenfassung meiner Recherchen die ich zu diesem Thema gemacht habe, und ich hoffe ich konnte damit einigen helfen zu verstehen wieso ich diese Praxis ebenso handhabe wie die Zeugen Jehovas.

2 Gedanken zu “Sichtweisen: Ablauf der Gedächtnismahlfeier

  1. Hi, ich verstehe das Argument mit den Gemeinschaftsschlachtopfern nicht. „Dann gab es Gemeinschaftsschlachtopfer, an denen die Opfernden beteiligt waren, weil sie von dem, was sie Gott opferten, essen durften (3. Mose 19:5-8)“ heißt es auf jw.org. Also nahmen nicht nur die Priester, sondern auch nichtpriesterliche Juden vom „Symbol“?

    • Hi Vincenzo,
      Ich zog im Blogbeitrag eine Paralelle – das ist aber sicherlich nicht als Gleichstellung gemeint. Das Gemeinschaftsschlachtopfer selbst ist also kein „Symbol“ für Jesu „Leib und Blut“, sondern nur eines von vielen Opfern welche es im mosaischen Gesetz gab, die durch Jesu Opfertod vervollständigt, und deshalb nicht mehr nötig sind.

      Beim Gemeinschaftsschlachtopfer waren die Opfernden ja keine Priester – das Opfer war freiwillig – keine Verpflichtung. Allerdings musste der Opfernde sowie die Priester beim Gemeinschaftsschlachtopfer ritual rein sein.

      Das letzte Abendmahl symbolisierte jedoch weitaus mehr als ein Gemeinschaftsschlachtopfer, obwohl es als solches eingenommen wurde. Obwohl ein Sühnopfer, wurde es wie ein Gemeinschaftsopfer verzehrt.
      Fleisch vom Gemeinschaftsopfer wird von der teilnehmenden Opfergemeinschaft verzehrt, nachdem der leitende Ritualspezialist (Priester) seinen Anteil erhalten hatte. Bei einem Sündopfer wurde das Opferfleisch hingegen nur vom Priester gegessen.

      Die Parallele die ich zu ziehen versuchte war die, dass es Teilnehmer bei diesem Gemeinschaftsschlachtopfer gab, und Beobachter sie sich darüber freuen konnten. Das Mahl wurde im Tempelvorhof der Stiftshütte, oder beim Tempel in Jerusalem im Speiseräumen die öffentlich zugänglich waren vorgenommen. (Siehe: Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2 S. 501)

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